Brandschutzmängel führen zu Haftung der Bauaufsicht

18.09.2018 Banken / Versicherungen

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Installationen elektrischer und elektronischer Geräte gehören zum kleinen Einmaleins auch von Planern für Sicherheitstechnik. Dass bei aller technischen Finesse der Blick auf Brandschutzvorschriften und Bauausführung nicht verloren gehen sollte, zeigt ein Schadenfall, der unter anderem auf Fehler bei der Elektroinstallation zurückzuführen ist. Übeltäter war ein Installationsschacht für Strom- und Wasserleitung.

Zigarettenrauch ist schädlich. Das weiß jedes Kind. Manchmal kann dieser aber auch von Nutzen  sein. Wie bei einem Schadenfall, mit dem sich die Experten der HDI Versicherung zu befassen hatten. Im konkreten Fall ging es darum, dass Bewohner in den oberen Stockwerken eines neu gebauten Mehrfamilienhauses durch Zigarettenrauch in ihren Wohnungen gestört wurden. Und das, obwohl sie gar keine Raucher waren.

Die Verursacher der Rauchschwaden waren schnell ausgemacht: Nachbarn, die im Erdgeschoss desselben Hauses wohnten und sich die eine oder andere Zigarette am Tag genehmigten. Die Frage war jedoch: wie gelangte der Rauch vom Erdgeschoss in die darüber liegenden Stockwerke? Der Weg außen über den Balkon war schnell ausgeschlossen. Denn dafür war der Geruch zu stark. Außerdem war er immer dann wahrnehmbar, wenn die Erdgeschoss-Bewohner innerhalb der Wohnung rauchten. Auch das Treppenhaus fiel aus. Hier war überhaupt nichts zu riechen.

Kaminzug im Kabelschacht: Brandschutzvorschriften nicht erfüllt

Nach kurzer Zeit war die undichte Stelle gefunden: Ein Installationsschacht, durch den Strom- und Wasserleitungen führten. Deutlich wahrnehmbar drang an dieser Stelle der Geruch des Zigarettenrauchs durch einen Sicherungskasten in die Wohnung. „Für solche Installationsschächte gelten Brandschutzvorschriften, die eine Übertragung des Zigarettenrauchs von einem Geschoss ins andere eigentlich unmöglichen machen sollten. Denn im Brandfall muss sichergestellt sein, dass sich weder Feuer noch Rauch durch den Schacht weiter verbreiten können“, erklärt Florian Blohut, Leiter Planungshaftpflicht-Schaden der HDI Versicherung. Aus dem Umstand, dass der Zigarettenrauch von einer Wohnung in die andere ziehen konnte, ließ sich damit schließen, dass die Installation nur unzureichend gegen die Übertragung von Feuer und Rauch abgeschottet worden war. Der Gebäudeeigentümer leitete deshalb eine Untersuchung ein, die erhebliche Baumängel zum Vorschein brachte.

Für die Untersuchung wurden an mehreren Stellen dieser und andere Installationsschächte des Hauses geöffnet bzw. unter der Verwendung von Endoskopen inspiziert. Tatsächlich ergab der Check der Schächte, dass Deckendurchführungen von Leitungsrohren in den Schächten offen oder zumindest nicht vollständig geschlossen waren. Rauch konnte sich so ungehindert ausbreiten. Im Brandfall hätte dies zur Gefährdung der Bewohner und auch zu erheblichen Schäden im ganzen Haus führen können. Denn zum einen hätte sich der Brandrauch ungehindert verbreiten können und zum anderen wäre auch die Ausbreitung des Feuers – in einigen Schächten wurden auch brennbare Materialien wie Styropor bzw. Hartschaummaterial gefunden – möglich gewesen.

In Regress genommen: Sanierungskosten in sechsstelliger Höhe

Aufgrund der unzureichend geschotteten Rohrleitungs- und Kabeldurchführungen durch die Geschossdecken waren außerdem die für den Bau geltenden Brandschutzvorschriften nicht erfüllt, genauso wie die Mindestanforderungen der Bauordnung und die der Richtlinien über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungsanlagen. Es wurden damit Sanierungsarbeiten notwendig, für die die an der Bauausführung der Installationsschächte beteiligten Unternehmen, eine Rohbaufirma und eine Elektrofirma, in Regress genommen wurden. Außerdem erhob der Bauherr  Regressansprüche gegen das Ingenieurbüro, das mit der Bauaufsicht betraut war. Denn diesem hätte bereits anhand der Planungsunterlagen, spätestens aber bei der Kontrolle der ausgeführten Arbeiten, auffallen müssen, dass Mängel vorhanden waren.

Zur Sanierung wurden die Installationsschächte mit Steinwolle-Granulat ausgefüllt, um die ungenügende Brandabschottung zwischen den Etagen zu kompensieren. Dazu Florian Blohut: „Die Lösung hatte den Vorteil, dass die Schächte nicht komplett geöffnet werden mussten, um die unvollständigen Abdichtungen an den Geschossdecken zu erneuern.“ Stattdessen konnte das Granulat, zumindest dort, wo kein brennbares Material verbaut worden war, durch Bohröffnungen in die Schächte eingeblasen werden. Durch die luftdichte Schachtverfüllung mit dem nicht brennbaren Granulat kann die Ausbreitung eines Feuers im Brandfall wirkungsvoll verhindert werden, genauso wie die Ausbreitung von Brandrauch. Außerdem waren die Leerrohre, in denen die Elektroleitungen zu den Verteilerkästen der Wohnung verliefen, nicht geschottet. So war es notwendig, diese an den Übergängen zu den Stromverteilern mit einem speziellen Silikon abzudichten.

Durch die Verwendung des Granulats konnten gegenüber einer nachträglichen klassischen Abdichtung der Durchbrüche erhebliche Kosten gespart und gleichzeitig die Anforderungen des Brandschutzes erfüllt werden. Trotzdem: Unter dem Strich beliefen sich die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen auf einen sechsstelligen Betrag, der von den beteiligten Unternehmen getragen werden musste. Das Ingenieurbüro haftete unter dem Strich für rund ein Drittel der Kosten. Für das Ingenieurbüro trat die HDI Versicherung ein und regulierte den Schaden für ihren Versicherungsnehmer.

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