Wirtschaftskriminalität – Geldinstitute haben ein Problem

15.03.2019 Banken / Versicherungen

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„Die Wirtschaftskriminalität in deutschen Unternehmen steigt deutlich an.“ So konnte man im Juli auf welt.de lesen. Dabei wurde noch konkretisiert, dass sechs von zehn deutschen Firmen „von Betrug und Untreue betroffen“ seien. In ihrer aktuellen Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2018“ hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Befragungen von 702 Unternehmen ausgewertet. Mit 58 Prozent wurden als häufigste Deliktarten Betrug und Untreue genannt. Dies kennzeichnete einen deutlichen Anstieg um 13 Prozentpunkte gegenüber der letzten Befragung 2016. Mit 73 Prozent besonders stark betroffen die Großunternehmen. Zu den Ergebnissen merkt welt.de kritisch an: „Obwohl sie als repräsentativ bezeichnet werden, können sie das schwerlich sein. Die deutsche Wirtschaft lässt sich nicht durch eine zufällige Auswahl von 700 Firmen abbilden.“

Innenrevision deckte auf

Die besonders empfindlichen Schäden werden den Unternehmen in solchen Fällen – das liegt in der Natur der Sache – nicht von einfachen Mitarbeitern zugefügt. Wohl auch deshalb kommt nur ein Bruchteil der aufgedeckten Fälle an die Öffentlichkeit. Ein offenbar hochkriminell agierendes Mitarbeiter-Duo hat, wie im August in der lokalen Presse mitgeteilt wurde, die Sparkasse Schwarzwald-Baar am Standort Furtwangen offenbar über Jahre geschädigt und Geld in mittlerer sechsstelliger Höhe abzweigen können. Die beiden, inzwischen fristlos entlassenen Täter haben abgestimmt agiert und das in Geldinstituten übliche Vier-Augen-Prinzip somit unterlaufen können. Die Bank selbst hat durch die Innenrevision die Unterschlagung aufgedeckt.

Nach einer KPMG-Statistik stehen die durch interne Revision bzw. Ermittlungen aufdeckten Fälle an dritter Stelle. Unternehmensinterne Hinweise rangieren vor „Kommissar Zufall“ auf den vorderen Plätzen. Bei den Deliktarten kommen „Betrug und Untreue“ sowie „Diebstahl und Unterschlag“ deutlich vor Datendiebstahl/Datenmissbrauch. Kompliziert wird es für Unternehmen, wenn die internen Kontrollmechanismen selbst von schwarzen Schafen unterwandert sind.

Jedes Wochenende nach Mallorca

„Die Anklage ist leider wahr“, gestand ein ehemaliger Betrugsermittler eines großen Versicherungskonzerns Ende August beim Auftakt seines Prozesses in Köln. Der 54-Jährige soll von dem Unternehmen mehr als zwei Millionen Euro für sich abgezweigt haben. Der Mann, der seit 1984 für den Versicherungskonzern tätig war, hat zwischen 2013 und 2018 die Gelder auf Privatkonten überwiesen. Exemplarisch für die insgesamt 235 Fälle listete die Staatsanwältin zehn Überweisungen auf, die jeweils nur wenig unter 5.000 Euro gelegen haben sollen. Mit dem Geld habe er, wie es hieß, unter anderem die Miete für das von seiner Lebensgefährtin bewohnte Haus auf Mallorca gezahlt. Zudem habe er sie rund zweieinhalb Jahre lang an jedem Wochenende auf der Baleareninsel besucht. Der Angeklagte, der seit 2011 als Gruppenleiter in der Betrugsabteilung des Unternehmens eingesetzt war, meinte zu Prozessbeginn: „Ich hatte immer viel Spaß in der Betrugsermittlung.“

Fast drei Jahrzehnte, von 1988 bis 2017, war ein Mitarbeiter bei der Fürstlich Castell’schen Bank beschäftigt und zuletzt als Leiter der Kundenbetreuung für die Standorte Nürnberg und München tätig. In dieser Funktion war er bereits seit Januar 2000 in dem Geldhaus mit Sitz in Castell bei Würzburg zum Gesamtprokuristen bestellt worden. Der inzwischen 52-Jährige hat diese Stellung benutzt, um – wie ihm jetzt von der Staatsanwaltschaft am Landgericht Nürnberg-Fürth vorgeworfen wird – Kundengelder in Höhe von 6,8 Millionen Euro veruntreut zu haben. Geschädigt wurden 23 Personen oder Gesellschaften. In einer Stellungnahme der Privatbank hieß es im Oktober vergangenen Jahres nach Bekanntwerden des Falles, der Mann habe „bewusst und gezielt“ an den Kontrollmechanismen des Geldhauses vorbei gearbeitet.

In den Finanzhäusern ist die Versuchung am größten, aber scheinbar auch die Möglichkeiten immer noch gegeben, sich an den Geldern zu bedienen.

Die Reihe der Betrugs- und Untreuefälle in Banken ließe sich noch weiter fortsetzen. Auffällig ist dabei, dass vielfach die Straftaten über einen längeren Zeitraum hinweg nicht entdeckt wurden. Zweifellos ein Indikator dafür, dass die internen Sicherheitssysteme, wenn überhaupt, nicht schnell genug greifen.

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