Mechanik vor Elektronik

14.02.2019 Immobilienwirtschaft

Immobiliensicherheit lässt sich auch mit einfachen Mitteln erhöhen

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Sichersein in den eigenen vier Wänden ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit ... eigentlich. Die Wirklichkeit sieht anders aus, denn durchschnittlich wurden in Deutschland im Jahr 2017 täglich 319 Wohnungseinbruchdiebstähle verübt. Auch wenn nach jahrelangen Steigerungsraten, inzwischen ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, niemand sollte sich bei diesem Thema behäbig zurücklehnen - es kann jeden treffen! Mehr als materielle Verluste wiegen meist die mentalen Nachwehen, wenn ungebetene Gäste durch die eigene Wohnung gestreift sind. Bei aller Häufigkeit, hier geht es nicht um ein Allerweltsdelikt. Dem hat erst vor knapp einem Jahr der Gesetzgeber Rechnung getragen, indem er den Strafrahmen für Wohnungseinbruchsdiebstahl deutlich ausgeweitet hat.

Bei der Berliner Polizei berät Kriminalhauptkommissar Jens Fritsch in Sachen Einbruchschutz. In sein Kabinett am Platz der Luftbrücke kommen Hausbesitzer und Mieter, die sich informieren wollen, wie sie ihr Zuhause schützen können. Zu Fritsches Erfahrungen auf diesem Gebiet, gehört leider auch, dass sich die Verantwortlichen großer Wohnungsbaugesellschaften mehr als rarmachen, wenn es darum ginge, sich Tipps zu holen, wie große Wohnanlagen für Einbrecher uninteressanter gemacht werden können. Auch kann sich der Kriminalhauptkommissar nur an einen einzigen Architekten erinnern, der den Weg zu ihm gefunden hat. Dabei wäre es um ein Vielfaches kostengünstiger und einfacher, schon in der Planungs- und Bauphase einer Immobilie an die Installation von Sicherheitstechnik zu denken. „Die Planung von Wohnraum kann sowohl das Sicherheitsempfinden positiv beeinflussen als auch dazu beitragen, Tatgelegenheiten und somit Kriminalität zu reduzieren“, betont das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen und macht damit deutlich, dass auch große Immobilienbetreiber in der Pflicht zur Prävention sind.

Große Immobilienbetreiber zurückhaltend

Die Beweggründe großer Immobilienbetreiber zu einer gewissen Abstinenz in Fragen der Wohnraumsicherheit sind nachvollziehbar. Es könnte schnell zu einer Kettenreaktion der Ansprüche kommen, wenn einem Mieter in Sachen Wohnungssicherung eine besondere Ausstattung gewährt würde. Sicherheit kostet Geld, aber darauf verzichten kann ebenfalls teuer werden. Alle beim Einbruch beschädigten Sachen, die fest mit dem Gebäude verbunden sind und zu seinem Eigentum gehören, liegen im Verantwortungsbereich des Vermieters.

Einbruchschutz ist kein Luxus. Das lässt sich auch an konkreten Zahlen festmachen. KHK Fritsch verweist darauf, dass in der Hauptstadt 43 Prozent der Wohnungseinbrüche im Versuchsstadium stecken bleiben. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Für ihn gilt die Faustregel für die Technik des Einbruchschutzes: Mechanik geht vor Elektronik. Investitionen in den Einbruchschutz belaufen sich laut Umfragen des Netzwerks „Zuhause sicher“ im Schnitt auf 3600 Euro.

Investitionen in mechanische Einbruchsicherungen sind gut angelegtes Geld, sagt Fritsch. Sie unterliegen im Laufe der Jahre wenigen technischen Veränderungen und halten „ein Leben lang.“

Notrufaufschaltung bei der Polizei

Wer über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, kann sich eine Alarmanlage installieren und diese auf die Notrufzentrale der Polizei aufschalten lassen. Aber hierfür ist der Rahmen eng gesteckt. Promi zu sein ist, so Fritsch, noch kein hinreichender Grund, dass die Ordnungshüter gleich mit Blaulicht und Martinshorn anrücken, wenn die Alarmglocke schrillt. Man muss schon eine nachvollziehbare Gefährdung für Leib und Leben oder Hab und Gut ins Feld führen können, um dieses Privileg für sich in Anspruch nehmen zu können. Hierfür sind die polizeilichen Vorgaben für die Handhabung und Wartung der Notrufanlagen streng geregelt. In Berlin ist die Firma Bosch der alleinige Konzessionär für diese Anlagen. Es sollen Fehlalarme im größtmöglichen Maße ausgeschlossen werden. Einsätze nach einem Fehlalarm ziehen kräftige Rechnungen nach sich.

Wie der Fachberater für technische Prävention einräumt, kann für viele Eigenheimbesitzer die Aufschaltung in eine Notruf- und Serviceleitstelle eines privaten Sicherheitsdienstleisters eine deutlich preisgünstigere Option sein.

Die Täter kommen um die Mittagszeit

Wer seine Immobilie wirksam gegen Eindringlinge schützen will, kommt nicht umhin, auf die Erfahrungen zurückzugreifen, die die Ermittler über viele Jahre gesammelt haben und täglich neu machen.

Wer von „lichtscheuen Gestalten“ spricht, die keine Gelegenheit auslassen, über einen schnellen Bruch zu Geld zu kommen, trifft nur teilweise die Gaunerwirklichkeit. In der dunklen Jahreszeit, von „O bis O“ wie Fritsch sagt und damit die Zeit von Oktober bis Ostern meint, haben die Einbrecher bei Einfamilienhäusern tatsächlich Konjunktur. In dieser Zeit sind die Zahlen bei Einbrüchen in Einfamilienhäusern ganz oben. Bei Einbrüchen in Wohnungen sind die Stunden interessant, in denen die Chancen am besten stehen, dass sich niemand in der Wohnung aufhält. In Einfamilienhäuser wird statistisch gesehen sehr häufig in der dunklen Jahreszeit eingebrochen. Bei Wohnungen erfolgen die Einbrüche während des Tages, häufig zwischen 10 und 13 Uhr.

Besondere Situationen, besondere Gefahren

Die Brandbreite der Täter reicht vom „kiezorientierten“ Amateur bis zu reisenden, technisch versierten und bestens ausgestatteten Gruppen. Um jedoch genaue statistische Zahlen zu erheben, ist die Zahl der aufgeklärten Fälle zu gering, meint Fritsch, fügt jedoch hinzu, dass die meisten Täter nur einfaches Werkzeug mit sich führen und oftmals schon an Türen und Fenstern mit der Widerstandsklasse 2 kapitulieren.

In große Mehrfamilienhäuser zu kommen, ist für die Täter kein Hexenwerk. Auf ein paar Klingelknöpfe gedrückt und meist ertönt dann schon der Türsummer. Alles läuft ganz anonym ab. Anders sieht es aus, wenn die Gegensprechanlage mit einer Kamera bestückt ist und der potentielle Täter sich nicht sicher sein kann, nicht schon beim Eindringen in das Haus gesehen zu werden. Für ihn eher ein „Anreiz“ eine Tür weiter zu gehen. Die Nachrüstung der Gegensprechanlage ist also eine sinnvolle Investition in die Sicherheit.

Auch außergewöhnliche Situationen können sich für die Diebe begünstigend auswirken. Sind normalerweise in Mehrfamilienhäusern und Bürogebäuden die unteren Etagen besonders gefährdet, kann sich durch ein Baugerüst die Lage völlig ändern. Das mussten auch die Mieter eines Gebäudes am Berliner Kurfürstendamm vor einiger Zeit schmerzlich erfahren, als Gauner ein dort aufgestelltes Baugerüst gleich mehrfach nutzten, um in die Geschäftsräume einzudringen. Jeder Tag, an dem ein solches Gerüst unnötig lange steht, ist ein Tag zu viel. Auch Bauarbeiten am und im Gebäude wirken sich begünstigend aus. Wo fällt ein Fremder im Blaumann weniger auf, wo sind ungewöhnlicher Lärm unverdächtiger, als in oder an einer Baustelle?

Private Sicherheitsdienste ein Teil der Prävention 

Um den Wohnungseinbrechern das Leben so schwer wie möglich zu machen, seien drei Punkte von Bedeutung, erklärt KHK Fritsch. Das ist der hier schon beschriebene Einsatz bzw. Einbau einbruchhemmender Technik. Der zweite Punkt ist eine Ermahnung an den Wohnungsinhaber, sich sicherheitsbewusst zu verhalten (gekippte Fenster sind offene Fenster, auch bei kurzem Verlassen der Wohnung abzuschließen etc.). Und als dritter, nicht immer einfacher Punkt kommt die Nachbarschaftshilfe hinzu.

Das Feld der Prävention lässt sich noch erweitern. Private Sicherheitsdienstleister können ihren Aufgaben entsprechend, Taten verhindern helfen, wie eine - willkürlich ausgewählte - Meldung einer Berliner Tageszeitung verdeutlicht: „Drei Büro-Einbrecher sind in Mitte erwischt worden. Wie die Polizei mitteilte, bemerkte ein Mitarbeiter des Wachschutzes die Männer in der Nacht zu Dienstag in einem abgeschlossenen Gebäude an der Chausseestraße. Er alarmierte daraufhin die Polizei. Die Beamten nahmen die 27, 35 und 37 Jahre alten Einbrecher fest. Auch Einbruchswerkzeug wurde sichergestellt.“

Zur Sicherheit einer Immobilie gehört zweifellos noch der Aspekt des Brandschutzes. Pyromanen keine Möglichkeiten zu bieten, ihre Vorliebe für Zündeleien auszuleben, ist in einem ganz wesentlichen Maße eine Aufgabe von Verwaltern und Besitzern größerer Mietanlagen. Hier stehen schnell Menschenleben und immense Sachwerte auf dem Spiel. Die meist krankhaften Brandstifter lassen sich aller Erfahrung nach ebenfalls von der Gelegenheit lenken. Unverschlossenen Eingangstüren, Papier, alte Möbel oder Müll im Hausflur sind ihnen Inspiration und Chance zugleich. Konsequent die Missstände zu beseitigen, die ihnen im wahrsten Sinne des Wortes Tür und Tor öffnen, ist eine probate Vorsorge.

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