„Es ist Zeit auf den Digitalisierungszug aufzuspringen“

14.02.2019

Wie können Facherrichter die Digitalisierung erfolgreich in der Praxis meistern: Das war das zentrale Thema des Errichter-Digital-Tags in Nürnberg.

Die Digitalisierung verändert die Märkte und wird dies in Zukunft noch stärker tun. Welches die wesentlichen Veränderungen sein werden und wie die Facherrichter sinnvoll darauf reagieren können, das war Thema der Veranstaltung. Bei Podiumsdiskussion, Impuls-Workshops und Networking ging es um Erfahrungsaustausch und Wissensvermittlung. Die Hekatron Vertriebs GmbH und die Schraner Group hatten eingeladen, um gemeinsam mit Vertretern der Branche und des BHE, mit Experten aus Wissenschaft sowie mit erfahrenen Unternehmern die digitale Transformation aus vielseitigen Perspektiven zu betrachten.

Die digitale Transformation wird nie wieder so langsam voranschreiten wie heute. Stattdessen steht auch die Sicherheitstechnik in den nächsten Jahren vor großen Veränderungen. Die Digitalisierung wird alle Bereiche des Unternehmens umfassen und die ganze Branche verändern. Diese Erwartung äußerten die Branchenexperten durch die Bank. Häufig werden die tatsächlichen Herausforderungen und Chancen jedoch noch nicht erkannt. Denn während viele Unternehmer aller Branchen sich derzeit in erster Linie mit der Umstellung von analogen zu digitalen Prozessen beschäftigen oder die Digitalisierung im Unternehmen für die Effizienzsteigerung nutzen, verändern sich ganz nebenbei auch die Geschäftsmodelle.

„Zentral ist für uns, dass der Errichter weiß, was im Bereich der Digitalisierung getan werden muss“, sagte Stefan Schraner, Geschäftsführer der Schraner GmbH  während der Podiumsdiskussion.  „Digitalisierung heißt, dass einiges bleibt, wie es ist. Es werden gleichzeitig neue Teilnehmer kommen und sich neue Organisationsformen bilden“, so Schraner. An dieser Stelle wolle er mit seinem Unternehmen die Kunden mitnehmen und auf ihrem Weg in die Digitalisierung unterstützen.

Die gesamte Branche befindet sich in einem Transformationsprozess

Die neuen Organisationsformen im Zeitalter der Digitalisierung stellten auch für Peter Ohmberger, Geschäftsführer der Hekatron Vertriebs GmbH, einen wesentlichen Aspekt der Diskussion dar. Er sprach von einem „Transformationsprozess der ganzen Branche“, welcher unter anderem neue und stabilere Formen der Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Errichtern erfordere. „Ein großer Teil der Veränderungen entsteht gerade erst und wird in fünf bis sieben Jahren sichtbar werden“, so Ohmberger. Es sei daher eine Fehleinschätzung zu glauben, dass das Meiste beim Alten bleibe. „Übermorgen hat man komplett lizenzierungsfähige Systeme und Geschäftsmodelle“, prophezeite er, die weit über die Effizienzsteigerung durch Digitalisierung hinausgingen.

„Viele Entscheidungen werden heutzutage noch aus der Vergangenheit heraus getroffen“, meinte auch Professor Dr. Frank Reinhardt während der Podiumsdiskussion. Dies sei eine zentrale Erkenntnis seiner aktuellen Studie zur Digitalisierung innerhalb der Sicherheitstechnik. Da die Branche in den letzten acht Jahren Hochkonjunktur habe, sei man noch stark im operativen Geschäft verhaftet und sich der Tragweite der Veränderungen häufig nicht bewusst, warnte der Direktor des Instituts für Corporate Governance an der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Die meisten Errichter hätten erkannt, dass die internen Prozesse sowie die Schnittstelle zwischen intern und extern wesentliche Bereiche der Digitalisierung seien. Die strategische Dimension etwa in Form von Anpassungen der Geschäftsmodelle sei den meisten noch nicht komplett bewusst.

Digitalisierung der Branche ist in vollem Gange

Bereits vor einem Jahrzehnt hat die Digitalisierung Einzug gehalten in der Sicherheitstechnik und seitdem verändert sie ein Geschäftsfeld nach dem anderen. Die Videotechnik ist das aktuell wohl am weitesten digitalisierte Geschäftsfeld. Das Potential dieser Branche hat Begehrlichkeiten geweckt und neue Akteure auf den Plan gerufen. Denn das Geschäft mit Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Alarmanlagen und Brandschutz boomt und ein Ende des Wachstums scheint nicht in Sicht. Dabei sind das Tempo und die Geschwindigkeit in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Die Medien, die Musikindustrie und der Einzelhandel haben vor ungefähr zehn Jahren diese Veränderungen teils massiv zu spüren bekommen. In der Automobilindustrie, im Maschinenbau, bei Transport und Logistik und damit beim klassischen weltmarktführenden deutschen Mittelstand, hat der Wandel gerade erst begonnen. Die Digitalisierung wird schnell weiter an Fahrt aufnehmen.

„Der Digitalisierungszug fährt. Es ist Zeit aufzuspringen“

„Der Digitalisierungs-Zug fährt bereits. Für die Errichter ist es höchste Zeit aufzuspringen“, brachte Dr. Peter Burnickl eine wesentliche Erkenntnis des Errichter-Digital-Tages in Nürnberg auf den Punkt. In seinem Impuls-Vortrag, „Digitalisierung im Planungsbüro“, sprach der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Burnickl Ingenieure mit Niederlassungen in ganz Deutschland über die veränderten Abläufe und Prozesse. Er beleuchtete auch eines der zentralen Themen: BIM, Building Information Modelling. Derzeit komme BIM zwar erst bei etwa einem Prozent aller Projekte zum Einsatz und zunächst seien auch nur die Hersteller gefordert, entsprechende BIM-Container bereit zu stellen oder wenigstens digitalisierte Produkte. An die Errichter appellierte er, sich frühzeitig mit den digitalen Medien und Möglichkeiten vertraut zu machen, mit der Digitalisierung zu beginnen und loszulegen. „Nehmt Kontakt über das Ingenieurbüro auf. Jeder Bauherr und Architekt gehen das Thema anders an“, sagte er. Wichtig sei es „miteinander im Dialog zu sein“ und die Prozesse praxisnah aufeinander abzustimmen.

Daten sind die neue Währung der Digitalisierung

Wer einen vermeintlich kostenlosen digitalen Service nutzt, mag dafür kein Geld bezahlen. In der Regel bezahlt der Anwender mit einem viel höheren Gut: Seinen persönlichen Daten. Es sind vor allem die großen weltweit agierenden Konzerne, die den Wert der Daten als Rohstoff erkannt haben und die es verstehen, diese Daten zu analysieren: Apple, Google, Amazon & Co revolutionieren so die Geschäftsmodelle aller Branchen auf der ganzen Welt. Dabei geht es längst nicht nur um die persönlichen Daten der einzelnen Nutzer. Die International Data Corporation (IDC) hat 2017 eine Studie zur weltweiten Datennutzung veröffentlicht. Etwa 16 Zettabyte an Daten waren demnach 2016 weltweit unterwegs, das sind 16 Billionen Gigabyte. 2018 soll sich diese Datenmenge bereits verdoppelt haben und bis 2025 könnte sie sich auf 163 Zettabyte verzehnfachen. Mit diesen Datenmengen ließen sich 40 Billionen DVDs befüllen. Und noch eine Zahl ist interessant: Laut IDC werden wir im Jahr 2025 täglich 4.800 Mal mit einem vernetzten Gerät interagieren, das sind im Schnitt alle 18 Sekunden.

Mit Spezialisierung und Öffnung in die Zukunft

Auch innerhalb der Sicherheitstechnik gibt es bereits erste Anbieter, die genau auf dieses Geschäftsmodell setzen. Es sind vor allem die großen internationalen Konzerne, die über das Thema Smart Home bereits Einzug gehalten haben in der Sicherheitstechnik. „Wir haben neue Mitspieler, wie die Telekom oder Google, die ihren eigenen Marktfokus haben und denen die Normen egal sind: Hauptsache, sie können ihr Geschäftsmodell umsetzen“, mahnte der Vorstands-Vorsitzende des BHE, Norbert Schaaf. In der gleichzeitigen Spezialisierung und Öffnung der Errichterbetriebe nach außen sieht er den richtigen Weg für die Zukunft an. Smart Home, smart Building oder smart Office seien die Trends. Hier rät er den Errichtern die Schnittstellen im Blick zu behalten. Zudem sei es wichtig, die internen und externen Prozesse im Griff zu haben.

Ganzheitliche Perspektiven auf das Thema Digitalisierung

Für einen individuellen Weg der Unternehmen auf dem Weg zur Digitalisierung plädierte auch Dr. Verena Schraner vom Erfolgslabor der Schraner Group. Sie erarbeitete in ihrem Workshop, „Wie weit sind Sie mit der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen“, mit den Errichtern eine Bestandsaufnahme für das eigene Unternehmen. „Es ist wichtig, dass wir beim Thema Digitalisierung weg vom reinen technologischen Denken kommen und das Thema ganzheitlicher betrachten“, sagte sie. Zum Beispiel aus der Perspektive des Kunden. Eine zentrale Frage für Unternehmen sollte sein, „welche Wertschöpfung biete ich dem Kunden und wo kann ich diese verbessern“, so Dr. Schraner. Ihre Bilanz: „Die Ergebnisse der Teilnehmer waren sehr heterogen. Überrascht hat mich, dass es bei der rein technischen Digitalisierung noch Luft nach oben gibt, während die Betriebe im Bereich der Unternehmenskultur häufig schon weit sind.“

Mitarbeiter in die Digitalisierung einbinden

Das Thema Digitalisierung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und konkrete Lösungen für die Praxis anbieten, das war das Ziel des Errichter-Digital-Tages in Nürnberg. Nach ausgiebigem Gedankenaustausch sind viele Teilnehmer mit neuen Impulsen und konkreten Plänen nach Hause gegangen. „Ich möchte meine Liste für die Datenschutzgrundverordnung überprüfen und meine Monteure stärker in die Digitalisierung einbinden“, sagte beispielsweise Facherrichter Manfred Kramer zum Abschluss. Er ist Geschäftsführer der MKS GmbH aus Hof.

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