Manfred Buhl hat Securitas gestaltet

02.05.2019

Ein Blick auf eine lange erfolgreiche Karriere als Manager und Macher

Eine Ära geht zu Ende. Manfred Buhl hat das Steuerruder der Deutschen Securitas Holding GmbH in jüngere Hände gelegt. Zeit für einen Blick ins Logbuch seines Lebens. Rückblick auf eine Vita mit Brüchen, bewegten Zeiten und vor allen Dingen bleibenden Leistungen. „Der Ziellose erleidet sein Schicksal - der Zielbewusste gestaltet es“, besagt ein Sinnspruch, der dem Philosophen Immanuel Kant zugeschrieben wird. Passend für eine Reminiszenz auf Manfred Buhl, einem der Großen der deutschen Wirtschaft und ganz besonders der Sicherheitsbranche.

Seine Wiege stand in der Lausitz, hier wurde er am 12. Februar 1952 in dem Städtchen Forst geboren. Die Kinder- und Jugendjahre verbrachte er im erzgebirgischen Aue. Lebendig sind die Erinnerungen, dass seine Eltern dort - wie es damals hieß - einen Konsum-Laden betrieben. Früh hat er von seiner Mutter gelernt, was kaufmännisches Geschick bedeutet. Er sollte es im Leben noch brauchen können. Wenn Manfred Buhl seine Gedanken schweifen lässt, ist zu spüren, wie präsent ihm alle Stationen seines Lebens sind; wieviel Herzblut darin steckt. Viele Jahre später, so Buhl in der Rückschau, als ihn seine Wege in die Sicherheitswirtschaft führten, ist ihm dieses kaufmännische Gespür zugutegekommen. Doch zuvor standen noch die Schul- und Ausbildungsjahre; hier legt er den Grundstein späterer Erfolge. Ausgezeichnete Noten und Bewertungen sind Beleg für seine Auffassungsgabe, seinen Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit.

In der politischen Gezeitenwende

Als 18-Jähriger entscheidet sich Manfred Buhl für die militärische Laufbahn; absolviert die Offiziersausbildung mit Auszeichnung und studiert an der Frunse-Militärakademie in Moskau. Nach zwei Jahrzehnten in Uniform der Nationalen Volksarmee bahnte sich 1989 der große Umbruch an. Unter dem Minister für Abrüstung und Verteidigung, Rainer Eppelmann, wechselt Manfred Buhl in das Büro des Staatssekretärs Werner Ablaß, wo man den Wechsel der NVA-Angehörigen zur Bundeswehr vorbereitet. Nach dem 3. Oktober 1990 versieht er seinen Dienst in der Außenstelle des Verteidigungsministeriums in Strausberg bei der Bundeswehr. Bleiben oder gehen, für Buhl eine emotionale Fahrt zwischen Skylla und Charybdis.

Buhl bleibt - vorerst. Er wird zu einem Lehrgang an die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg beordert. Vieles geht ihm durch den Kopf, ein Wechsel in die Privatwirtschaft ist für ihn längst eine Option. Beim abendlichen Bier kommt er mit Wirtschaftsvertretern in der alten Bundesrepublik, die gerade einen Reservistenlehrgang absolvieren, ins Gespräch. Zukunftspläne werden diskutiert.

Ein Banker verspricht Unterstützung für den Wechsel ins zivile Leben, er bietet an, Kontakte zu vermitteln. Gesagt, getan; Manfred Buhl wird ein Kontakt vermittelt - er ist ein Glücksfall. Der Mann, mit dem er sich in Verbindung setzen soll, heißt Reinhard W. Ottens. Dieser ist als Geschäftsführer der DSW Security einer der herausragenden Macher in der sich in diesen Tagen rasant entwickelnden Sicherheitsbranche. Er wird zum Gespräch eingeladen.

Von der Armee zur DSW

Die Fahrt in die nordrhein-westfälische Metropole ist für Buhl ein bleibendes Erlebnis. Ein Streik legt die Bahn lahm, er muss mit seinem Wartburg bis Helmstedt fahren und kann dann mit dem Zug weiterreisen. Die Unannehmlichkeiten werden durch das Treffen in Düsseldorf tausendmal aufgewogen. Ottens, der nach der deutschen Vereinigung schnell die Potenziale für das private Sicherheitsgewerbe im Osten gesehen hat, sucht die richtigen Mitarbeiter für die Pionieraufgabe. Ottens erkennt, dass mit Buhl ein Mann vor ihm steht, mit dem er seine Pläne verwirklichen kann. Auch für Manfred Buhl ist das Zusammentreffen ein Glücksfall. „Mir war vom ersten Moment an klar, - schon als ich den Vorschlag gehört habe, dass das etwas ist, was mich erfüllen kann. Und das hat es dann auch“, bilanziert Buhl heute. Ottens stellt ihn ein und verstärkt damit sein Engagement in den neuen Bundesländern.

Hier war die neu gegründete DSW Security Berlin bei ihrer Suche nach einem potenziellen Partner im Markt schnell auf das Düsseldorfer Unternehmen mit dem gleichlautenden Namen DSW Security unter Geschäftsführung von Reinhard W. Ottens gestoßen, der die Chance beim Schopfe packte. Buhl steht von da an Marita Carl zur Seite, die zu den Mitbegründern der DSW im Osten gehört.

Nahezu zeitgleich entdeckten die beiden ehemaligen Volkspolizisten Jürgen Retsch und Jens Berger als Novizen die private Sicherheitsbranche im Osten. Noch zu DDR-Zeiten hatten sie sich im Januar 1990 selbstständig gemacht und waren – nach Zerwürfnissen mit einem Westpartner - im Juli desselben Jahres mit Marita Carls DSW eine Partnerschaft eingegangen. Manfred Buhl erweist sich als zuverlässiger Macher in den turbulenten Zeiten. Er wird von Marita Carl nach Chemnitz beordert, um das dortige Büro zu sichern und übernimmt anschließend für einen Monat die Chemnitzer DSW-Niederlassung. Er ist von der neuen Aufgabe begeistert: „Da habe ich erkannt, dass das der Job ist, auf den ich mein ganzes Leben gewartet habe. Ich hatte Leute, ich hatte Geld ich konnte selber entscheiden, ich konnte kreativ sein, also alles Mögliche machen.“

Sicherheit muss auch verkauft werden 

Es ist die Zeit der Personalrochaden. Einige derer, die sich zu Leitungsaufgaben berufen fühlen müssen bald wieder ihre Stühle räumen. Das Gewerbe ist anspruchsvoll. Buhl übernimmt die Geschäftsführung für den Sicherheitsdienst DSW in Potsdam. Manfred Buhl macht die Erfahrung, dass Sicherheit auch verkauft werden muss. Seine früh erlernten Fähigkeiten wurden lange nicht gebraucht. „In der Armee musste ich niemandem etwas anbieten“, sagt er. Aber als sein früh erworbenes Verkaufstalent gebraucht wurde, „ war es eine fantastische Erfahrung, dass man solche Dinge praktisch mit der Muttermilch eingesogen hatte.“

In Potsdam wird er auch verantwortlich für den Geld- und Werttransport. Ottens hat die Idee, den ganzen Markt neu aufzurollen. Wer mit Geld zu tun hat, muss rechnen können. Buhl rechnet vor, dass manche Idee nicht gut kalkuliert ist. Die Transporter sollten mit nur einem Mann Besatzung und einem „dicken fetten Tresor drauf“ gefahren werden. Das aber führt dazu, dass die Fahrzeuge viel zu teuer sind. Man verabschiedet sich von diesem Konzept, rüstet die Flotte um. Buhl zeigt schon da, dass er über ein feines Gespür für die Balance von Mensch und Technik im Sicherheitsgewerbe verfügt. Sein Erfolgsrezept.

Die neuen Fahrzeuge kosten nur noch etwa ein Drittel. „Bedeutend billiger und genau die gleiche Logistik. Das war ein ganz wichtiger Schritt, der Investitionen in neue Technik, ansonsten hätten wir den Laden nicht hinbekommen“, resümiert er. Es wird zu einer Erfolgsgeschichte für ihn. Kundenakquise wird sein Markenzeichen: „Wir haben alle großen Banken in der Hauptstadt bedient. Wir waren Marktführer in Berlin.“

1200 Prozent Umsatzsteigerung

Einer der ersten Aufträge, den Manfred Buhl als junger Geschäftsführer der DSW Security in Potsdam im November 1991 präsentieren kann, ist die Bewachung der Landespolizeischule und des Landeskriminalamtes von Brandenburg.

Auf einem Meeting in der Securitas AB im Juli 1998 in Stockholm, konnte Buhl stolz verkünden, dass es der DSW in Potsdam gelungen war, nach der Trennung des Geld- und Werttransports vom Wachdienst, binnen weniger Jahre den Umsatz um 1200 Prozent zu steigern. Damit war eine Marke gesetzt, an die man sich in der schwedischen Hauptstadt noch erinnern sollte.

Das Sicherheitsgeschäft wird in den neunziger Jahren immer anspruchsvoller. Fusionen und Übernahmen charakterisieren den Markt. In Stockholm sitzen Strategen des Gewerbes. Sie interessieren sich für Unternehmen in Deutschland. Die DSW Security in Düsseldorf steht weit oben auf ihrem Wunschzettel. Manfred Buhl erinnert sich an den Abend im Advent 1995, als ihm sein damaliger Chef, Reinhard W. Ottens, mitteilt: „Ich fahre jetzt nach Schweden und verhandle über den Verkauf der DSW Security Gruppe.“

Neue Ideen überzeugen Stockholm

Securitas hat Mitte der 1990er Jahre seine Fühler auch zur Firma Raab Karcher Sicherheit (RKS) mit Sitz in Essen ausgestreckt. 1996 resultierte daraus die Übernahme der Raab Karcher Wert- und Geldtransport, eines wichtigen Teiles der Raab Karcher Sicherheit. Mit RKS kommt Jürgen Glavic hinzu. Manfred Buhl sieht sich „praktisch als Diener zweier Herren“ und hat die Arbeit zu stemmen, die Integration dieser Firmen umzusetzen. Er muss die Beschäftigten der DSW Potsdam und Raab Karcher Berlin, die rund das Doppelte verdienen, zusammenbringen. Da hat nicht jeder mitgezogen. Auch Glavic nimmt schließlich seinen Hut, Ottens bleibt als alleiniger Chef. Buhl versteht sich mit ihm: „Mit Ottens gab es nie Spannungen, ich hatte mit ihm kein einziges lautes Gespräch, auch alles was ich ihm vorgeschlagen habe, ob das Investitionen waren oder auch andere Dinge, hat er durchgewunken.“

Sich auf dem Sicherheitsmarkt zu behaupten, bedeutet immer wieder Ideen zu entwickeln, neue Wege auszuloten. Eine solche Idee war es, der Firma Sanacorp, einem Lieferanten für Apotheken, unter die Arme zu greifen. Da es für die Kuriere des Apothekenbedarfes immer schwieriger geworden war, die bestellten Arzneien anzuliefern, bot sich Securitas an, dies mit seinen Fahrern in den Nachtstunden zu erledigen. Solche unkonventionellen Maßnahmen erregte natürlich die Aufmerksamkeit in der Stockholmer Konzernzentrale. 2002 legte man von dort die Führung der Securitas Deutschland in Buhls Hände – zwei Jahre zuvor war er mit Wolfgang Waschulewski in die Verantwortung gekommen. Buhl investiert viel Zeit, den Kollegen im Konzern den Sinn der drei roten Punkte einzuschärfen - Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft! Dafür steht die ganze Mannschaft mit ihrem Tun! Buhl krempelt auch die Strukturen im Unternehmen um. Die Zuständigkeiten müssen, davon geht er aus, klar definiert sein. Das Resultat ist praktisch eine mittelständische Struktur in einem Konzerngefüge. Für die Mitarbeiter, die mittlerweile aus vielen verschiedenen Unternehmen zusammen gewürfelt sind, schafft Buhl eine operative Struktur, bei der die Herkunft unerheblich wird. Kurze Wege für die Mitarbeiter und kurze Wege für die Kunden, das gehört zu seinen Grundsätzen. „Das war der größte Einschnitt“, bemerkt Buhl rückschauend. Er setzt auf Transparenz im Unternehmen. Jeder Bereichsleiter - und das Unternehmen hat 130 davon - muss die Zahlen für sein Gebiet kennen. Auch das war neu.

Den Finger in die Wunde gelegt 

Schon Ende November 2003 konnte er in Hamburg aus den Händen von Kronprinzessin Victoria von Schweden für Securitas den Exportpreis der schwedischen Handelskammer entgegennehmen. Von 2004 bis 2017 bekleidet Buhl das Amt als Vize-Präsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) und bis heute ist er in gleicher Funktion beim 2017 gegründeten Bundesverbands der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) tätig. Solche Tätigkeiten sind ihm keine Pflichtübung. Er nutzt die Möglichkeiten, die ihm solche Positionen verschaffen, um gelegentlich unangenehme Wahrheiten auszusprechen.

Im Jahr 2006 greift er als Autor im Fachmagazin „CD Sicherheits-Management“ ein pikantes Thema des Gewerbes auf. Der Titel lautet „Das Sicherheitsgewerbe ist unsauber“, und er bezeichnet den Artikel als einen „Steinwurf aus dem Glashaus.“ Nicht jedem mag es gefallen haben, als er klar und unmissverständlich formulierte: „Dieses Gewerbe ist unsauber! Entweder werden die Mitarbeiter betrogen. Oder es werden die Kunden betrogen. Oder beide. Ich kenne wenig Willen zur Veränderung. Im Gegenteil: Es wird duldend das Auge verschlossen, weil mein ja selbst weiß, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind.“ Er wird konkret, wenn er die Überlegung anstellt, „dass wir innerhalb Deutschlands rund 70 Tarifverträge haben, dass es innerhalb Deutschlands 250 Lohngruppen gibt und das wir in unseren Unternehmen 1000 Lohnarten bei der Lohnabrechnung zu beachten haben, kann man sich ausrechnen, wie viele Möglichkeiten für kriminelles oder zumindest ‚trickreiches‘ Handeln gegeben sind...“

Zu den Änderungen, die Buhl seither stets einfordert, gehört auch der Paradigmenwechsel: Der Übergang von einem reinen Personenstunden-Dienstleister zu einem Anbieter integrierter und technisch unterstützter Sicherheitslösungen. Buhl ist überzeugt: Ein Sicherheitsdienstleister, der bestehen will, muss diesen Paradigmenwechsel gestalten. Zuerst aber muss er vom eigenen Management und von den Kunden verstanden werden. Dieses Verständnis zu vermitteln, hat sich Buhl seit Jahren auf die Fahne geschrieben. 

Erfolg und Anerkennung

Stand er in seiner Ablehnung von Billig- und Dumpinglöhnen zunächst noch relativ alleine da, fand er in den folgenden Jahren doch viele Mitstreiter, die mit der Durchsetzung des gesetzlichen Mindestlohns einen beachtlichen Erfolg erzielen konnten. Aber für Buhl ist der „Mindestlohn nur Einstieg“, wie er 2011 in einem Interview mit dem Magazin „Wirtschaft & Markt“ betont. Er schaut auf die Zusammenhänge: „Die zunehmende Ungerechtigkeit in der Verteilung in der Welt ist der Ausgangspunkt dafür, dass sich das Sicherheitsrisiko verschärft.“

Zum gesellschaftlichen Engagement gehört für Buhl und Securitas auch das Sportsponsoring. Zahlreiche Sportlerinnen und Sportler wie auch ihre Vereine konnten sich über eine Unterstützung freuen. Besonders erwähnenswert ist dabei der Kanu Club Potsdam, aus dem viele Olympiasieger hervorgegangen sind. In der Politik sind Freundschaften entstanden, wie zum Beispiel zum ehemaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck.

Manfred Buhl war der am Längsten amtierende Geschäftsführer in der deutschen Organisation des schwedischen Konzerns. In einer Sonderausgabe der Mitarbeiterzeitung hatten seine Kollegen ihm zum 65. Geburtstag ins Logbuch geschrieben: „Gäbe es eine ‚goldene Securitas‘ für das Lebenswerk oder eine außergewöhnliche Manager-Karriere, hätte sie Manfred Buhl verdient.“ Dem können wir uns vom Verlag ProSecurity nur anschließen.

Peter Niggl

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