Benchmark unter Kollegen: Gemeinsam Zukunftsthemen angehen

16.11.2017

Den künftigen Herausforderungen begegnen: Das war Thema des Workshops in der Reihe Errichter-Impulse am 12. Juli an der Hochschule in Geislingen. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland.

Die Auftragslage ist gut und sie wird es aller Voraussicht nach auch bleiben für die Facherrichterbetriebe in Deutschland. Darin sind sich Experten und Kenner der Branche einig und nennen als Ursache: Errichter von Sicherheitssystemen haben eine gesellschaftliche Systemrelevanz. Viele der Inhaber und Geschäftsführer sehen die Hauptherausforderungen im Fachkräftemangel, gefolgt von der Digitalisierung. Doch liegt vielleicht in der Digitalisierung und in der Optimierung der Prozesse und Abläufe, eine Chance, dem Personalmangel nachhaltig zu begegnen? Mit diesen Fragen befasste sich der Workshop in der Reihe Errichterimpulse. Die SicherheitsPraxis sprach mit Teilnehmern und Experten.

Einmal über den Tellerrand hinausblicken und hören, wie die anderen die Zukunftsthemen der Branche angehen und wie sie aufgestellt sind, das stand für Daniel Hanke von der SAT Elektrotechnik GmbH mit Sitz im mittelfränkischen Nürnberg im Vordergrund. Deshalb nahm er an dem Workshop teil. Sein mittelständisches Unternehmen hat sich durch kontinuierliches Wachstum und Innovation in den letzten Jahren gut entwickelt. Heute beschäftigt es „60 qualifizierte und motivierte Mitarbeiter“, die maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Die Schwerpunkte liegen dabei in der Elektro- und Sicherheitstechnik genauso wie in der Kommunikationstechnik. Ein weiterer Schwerpunkt sei „das intelligente Gebäude“.

Sein Fazit: „Es waren keine direkten Mitbewerber anwesend, deshalb war es leicht, über die eigenen Stärken und Schwächen zu reden.“ Ihm sei klargeworden, dass sein Unternehmen bei den Zukunftsthemen weit vorne mit dabei sei. „Wir müssen trotzdem ein wenig mehr Gas geben, weil auch andere weit vorne sind“, so Daniel Hanke. Beim Thema Digitalisierung sieht er für sein Unternehmen keine Alleinstellung: „Digitalisierung haben viele auf dem Schirm.“

Doch er zeigt sich zuversichtlich, auch aufgrund der günstigen Prognosen für seine Branche: „Ich glaube, wer in dem Bereich seine Hausaufgaben macht und vorausschauend arbeitet, der hat gute Chancen, sein Unternehmen positiv zu entwickeln.“ Die Branche wachse weiterhin, auch wegen des wachsenden Sicherheitsbedürfnisses. „Trotzdem werden vier von zehn Unternehmen die Digitalisierung nicht überstehen, schätzen Experten.“

Derzeit arbeitet sein Unternehmen im Bereich Digitalisierung an drei konkreten Maßnahmen. „Um den Baustellenablauf zu optimieren, haben wir ein eigenes Programm geschrieben“, sagt Hanke. Auch bei der Inbetriebnahme und der Wartung von Brandmeldeanlagen setze sein Unternehmen auf digitale Lösungen. Einmal aus dem Hause Schraner und einmal von Hekatron. Dabei stehe der Kundennutzen im Vordergrund und der sei bei beiden Systemen gegeben.

„Ich muss im hier und jetzt mein Geld verdienen und mein Wachstum organisieren und gleichzeitig die Hausaufgaben für die Zukunft machen“, sagt Daniel Hanke. Beim Blick in die Zukunft habe ihm der gemeinsame Austausch jedenfalls geholfen.

Die Kollegen kämpfen mit den gleichen Problemen

„Die Kollegen kämpfen mit den gleichen Problemen wie wir“, sagt Matthias Wunderle, Geschäftsführer der FELIX Sicherheitstechnik GmbH mit Standorten in Sasbach und Sindelfingen in Baden-Württemberg. „Sicherheit für Mensch und Vermögen“ lautet das Unternehmensmotto und dies sei auch der Anspruch, „wenn wir aus den Anforderungen unserer Kunden individuelle Systemlösungen schaffen. Dies erreichen wir mit dem Know-how eines erfahrenen Teams und den Produkten der führenden Hersteller der Branche“, so beschreibt er kurz sein Unternehmen. Den gemeinsamen Erfahrungsaustausch im Rahmen des Workshops bewertet er als positiv.

Als eines der Hauptprobleme nennt er die „Nachwuchssorgen“ und bemängelt das insgesamt nachlassende Bildungs-Niveau bei den Fachkräften. Den Nachwuchssorgen begegnet er, indem er immer wieder Kollegen und Mitarbeiter ermuntert, die Augen und Ohren offen zu halten, um potentielle Mitarbeiter zu finden. Dafür zahlt er auch Prämien aus. Dieses Vorgehen habe sich in der Praxis bewährt.

„Die Auswirkungen der Digitalisierung spüren wir seit Jahren“, beschreibt Matthias Wunderle die Situation. „Damit gehen wir auch seit Jahren um und stellen uns darauf ein.“ Ein größeres Thema sei bei ihm, wie bei allen Errichterbetrieben, die Service- und Wartungsauf- träge. Um hier eine Effizienzsteigerung zu erzielen, habe er seit Ende letzten Jahres die Zeiterfassung online eingeführt. „So müssen die Daten nur einmal erfasst werden.“ Dabei greift er auf eine bekannte Branchensoftware, die ES2000 zurück. „Mit dieser Branchenlösung arbeiten wir im Betrieb seit 10 Jahren. Zum Jahreswechsel haben wir sie für die Online-Zeiterfassung eingerichtet.“ Die Einführung lief verhältnismäßig reibungslos. „Natürlich ist der Prozess noch nicht komplett abgeschlossen.“ Dabei gehe es manchmal auch darum, ganz banale Themen und Inhalte zu lösen.

Damit endet die Digitalisierung seines Unternehmens noch lange nicht: „Wir wollen unsere EDV weiter optimieren: Wir wollen Abläufe anpassen und sie dann in die EDV-Welt übertragen und umgekehrt“, sagt Wunderle. „Das ist ein fortlaufender Prozess, mit Schulungen und Bewusstseinsschärfungen.“ Doch egal, was die Zukunft auch bringen wird, in einem Punkt ist Matthias Wunderle sich sicher: „Wir werden weiterhin die Entwicklungen am Markt beobachten. Wir werden prüfen, welche dieser Entwicklungen zu uns passt und welche uns vielleicht sogar bedroht. Doch letztlich leben wir von der Arbeit der Hände unserer Monteure.“

Bis zu 20 Prozent Produktivitätssteigerungen lassen sich erzielen

Professor Frank Reinhardt von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen ist von einer Sache überzeugt: „Wenn ich die richtigen Leute entsprechend ihrer Qualifikation an der richtigen Stelle einsetze, lassen sich bis zu 20 Prozent Produktivitätssteigerungen im Unternehmen erzielen.“ Er ist Direktor des Instituts für Corporate Governance. An dieser Stelle setzte auch sein Workshop aus der Reihe Errichter-Impulse an. „Unser Ziel war es, zusammen mit den Teilnehmern in vier Einheiten individuelle und praxisnahe Lösungen zu erarbeiten wie sie durch Effizienzsteigerung dem Fachkräftemangel effektiv begegnen können“, sagt er.

Sein Institut sei fokussiert auf gute Unternehmensführung und habe sich zur Aufgabe gemacht in regulierten Branchen strukturierte Effizienzsteigerungen zu erzielen. „Die Potentiale sehe ich im Personalbereich, insbesondere beim Thema Prozessoptimierung. Wir sehen dies auch allgemein in der Organisation der Unternehmen: Stärkere Standardisierung der Abläufe, stärkere IT-Nutzung, um nur zwei Beispiele zu nennen. Hier lassen sich insgesamt Effizienzen heben.“

Viele Errichterbetriebe werden auch in den kommenden Jahren über eine Nachfolge nachdenken.

Dem Thema Fachkräftemangel möchte er auf zwei Wegen begegnen: „Unsere Wahrnehmung ist die, dass auf der einen Seite nicht die richtigen Leute gemäß ihrer Qualifikation die richtigen Tätigkeiten ausführen. Auf der anderen Seite liegen die Potentiale auch darin, sich insgesamt als attraktive Branche darzustellen.“ Die Sicherheitstechnik sei allein deshalb so attraktiv, weil es sich um eine regulierte Branche mit hohem Qualifizierungsniveau handele. Das gelte es potentiellen und auch jungen Fachkräften zu vermitteln.

Durch die moderne Datentechnik und die Digitalisierung rechnet Professor Frank Reinhardt mit einer Konsolidierung innerhalb der Branche. „Die Anzahl der Errichterbetriebe wird abnehmen. Viele Bereiche auch innerhalb der Unternehmen werden zusammenwachsen bedingt durch die Datentechnik und die Digitalisierung.“ Viele Errichterbetriebe werden auch in den kommenden Jahren über eine Nachfolge nachdenken. Des-halb rät Professor Frank Reinhardt den Inhabern und Geschäftsführern: „Jetzt ist der Zeitpunkt, das eigene Unternehmen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu organisieren.“ Dabei gelte es, wachsam zu sein und alle relevanten Einflüsse auf dem Schirm zu haben.

Helfen könnten dabei auch Veranstaltungen wie diese, bei denen der gemeinsame Gedankenaustausch im Mittelpunkt stehe, findet Professor Reinhardt. „Die Teilnehmer waren sehr gut aufgestellt. Sie wussten, wo die Probleme liegen. Auch wenn bei dem einen oder anderen die Affinität, digitale Möglichkeiten zu nutzen, noch nicht so ausgeprägt war.“

Ausrichter der Errichter-Impulse ist die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Organisiert werden sie vom Schraner Erfolgslabor & unterstützt von Netzwerk-Partnern, wie dem TÜV Süd, Honeywell und Schraner GmbH. Weitere Informationen und Termine: www.errichter-impulse.de.

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