Das Smartphone: der Schlüssel zum intelligenten Gebäude?

23.08.2018

Trends und Perspektiven der Zutrittskontrolle: Smart Access gilt als neuer Meilenstein der Zutrittskontrolle. Auch die Mehrheit der befragten Hersteller bestätigen diese Entwicklung.

stockyimages/fotolia

Um 5,1 Prozent soll der Umsatz für elektronische Sicherungstechnik im Jahr 2017 steigen. Das geht aus einer Schätzung des Branchenverbandes BHE, dem Bundesverband Sicherheitstechnik e.V., hervor, die er im Herbst 2017 veröffentlicht hat. Die Einbruchmeldetechnik soll ihren Umsatz um 4,8 Prozent steigern können. Sie wächst damit von 800 Millionen Euro 2016 auf 838 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Damit ist die Wachstumsrate rückläufig, denn in den Jahren zuvor erlebte diese Sparte einen Umsatzzuwachs von 59 Millionen Euro 2016 beziehungsweise von 51 Millionen Euro 2015. Diese Umsatz-Prognose wird auch gestützt durch die Herbst-Konjunkturumfrage. „Der Rückgang im Privatbereich ist auch ursächlich dafür, dass die Einbruchmeldetechnik insgesamt geringfügig schwächer beurteilt wird als in den vergangenen beiden Jahren“, heißt es von Seiten des BHE.

BHE: Wachstum trotz angespannter Personaldecke

„Alle anderen Sparten erzielten hingegen neue Rekordwerte. Besonders stark zulegen konnten die Zutrittssteuerung.“ In der Umsatzprognose des BHE erzielen Zutrittssteuersysteme einen Zuwachs von 4,9 Prozent. Der erwartete Jahresumsatz wächst von 307 Millionen Euro auf 322 Millionen Euro und damit in etwa genauso stark, wie im Jahr zuvor. 2016 gab es ebenfalls einen Zuwachs um 14 Millionen Euro, während es 2015 nur 8 Millionen Euro waren. „Die Stimmung am Markt ist insgesamt sehr positiv. Dies spiegelt sich auch in der guten Benotung der derzeitigen Geschäftslage mit einem Wert von 1,83 auf der Schulnotenskala wider. Rund 30 Prozent aller Befragten haben ihre momentane Auftragslage sogar als ‚sehr gut‘ bezeichnet“, so Dr. Urban Brauer, Geschäftsführer des BHE. Die deutschen Facherrichter zeigten sich äußerst zufrieden mit der Entwicklung im Sicherheitsmarkt und vergaben in zahlreichen Kategorien neue Best-Noten. Einziger Wermutstropfen ist die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt – immer weniger Fachfirmen könnten ihren Bedarf an qualifiziertem Personal decken.

ZVEI: Branche wächst mit Bedarf an vernetzten Systemen in Gebäuden

„Die Branche der elektronischen Sicherheitssysteme wächst mit dem zunehmenden Bedarf an vernetzten, intelligenten Systemen in Gebäuden und dem öffentlichen Raum“, so die Einschätzung des ZVEI, dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V., die er im Rahmen der Intersec veröffentlichte. Im Bereich der Sicherheitstechnik seien angesichts steigender Komplexität innovative Lösungen gefragt. Die Intersec bot dafür das passende Forum. Sie fand parallel zur Light & Building statt im Frühjahr 2018. „Die Vernetzung unterschiedlicher Technologien und Gewerke auf dem Gebiet der Sicherung von Gebäuden und sensiblen Infrastrukturen ist die große Herausforderung für Bauherren, Architekten wie auch Planer, Errichter und Installateure.“ Die Komplexität der Aufgaben vervielfache sich zusätzlich durch die Anforderungen an IT- und Datensicherheit wie auch Fragen des Schutzes von Daten und der Einhaltung von Persönlichkeitsrechten. „Industrie, Forschung und Politik sind hier an der Schnittstelle von technischer Machbarkeit, individuellem Sicherheitsbedürfnis, gesellschaftlicher Akzeptanz und Tagesaktualität in ihrer Kompetenz gefordert.“

Smart Access: Zukunftsdialog auf dem Intersec-Forum

Sichere und komfortable Zutrittslösungen, die das Internet der Dinge (engl. Internet of Things, IoT) mit der bewährten Welt der Mechatronik verbinden: Darüber diskutierten im Zukunftsdialog Smart Access am fünften Konferenztag Experten aus angewandter Forschung und Technologie-Schmieden. Im Mittelpunkt standen die Innovationen digitaler und IoT-Anwendungen für elektronische Zutrittskontrolle und moderne Schließsysteme unter der Maßgabe von Datensicherheit und Datenschutz. Die Verschmelzung elektronischer Komponenten mit mechatronischen Schließsystemen eröffne ganz neue Horizonte für moderne Zutrittslösungen. So benötigten Gebäudenutzer mit dem Smartphone als „Ausweis“ selbst für unterschiedliche Gebäude keine separaten Chipcards oder Schlüsselanhänger mehr, sondern verwenden zum Öffnen von Türen eine entsprechende App. Ermöglicht werde das durch neue Übertragungstechnologien, wie beispielsweise Near Field Communication (NFC) und Bluetooth Low Energy (BLE). Dr. Christian Zenger, CEO der auf Kryptografiebasierte Sicherheit spezialisierten Physec GmbH sagte während der Tagung: „Die Zukunft der Zutrittskontrolle heißt Smart Access Management. Sie wird sich an den Errungenschaften des IoT – einfach, sicher, drahtlos – orientieren und die Aspekte Verschlüsselung, Authentifizierung und Key-Management in einen gemeinsamen Prozess einbetten.“

Eine Voraussetzung bei der Einführung von vernetzten Smart Access Technologien ist ein optimaler Schutz vor Missbrauch von Nutzerdaten und Cyberangriffen im Hinblick auf Datensicherheit und Datenschutz, darin waren sich alle Experten einig. Hierzu werde intensiv an sicheren Verschlüsselungstechnologien und „Secure End-To-End Solutions“ geforscht, aber auch an der Auswertung biometrischer Daten, ohne auf die Person des Trägers zurückschließen zu können. Entscheidend sei ebenso die Speicherung sensibler Daten in einem besonders geschützten Bereich. Als eine besondere Herausforderung bei Türschließsystemen wurde auch die sichere Authentifizierung bei möglichst minimalem Energieverbrauch analysiert. Bereits heute komme dafür „Energy Harvesting“ zum Einsatz. Bei diesem Verfahren werde Energie beim Bewegen des Türgriffs durch Formgedächtnismaterialien in elektrischen Strom umgewandelt und zum Antrieb der Verriegelung genutzt.



Zurück