HAFTUNGSFRAGEN IM GRIFF

12.06.2017

Fehler bei der Errichtung und Inspektion von Brandmeldeanlagen oder Beratungsfehler können für die Inhaber und Geschäftsführer von Errichterbetrieben weitreichende Folgen haben. Wenn durch einen Zwischenfall Personen zu Schaden kommen oder erheblicher wirtschaftlicher Sachschaden entstanden ist, stellt sich häufig die Haftungsfrage.

Über die Risiken, und wie man sie vermeiden kann, darüber informierten die Errichter-Impulse kompetent und praxisnah. Zusammen mit den Branchenexperten Michael Ulman, TÜV-Süd, Stefan Schraner, Schraner GmbH und Klaus Hirzel, Honeywell Security and Fire, informierte Professor Frank Reinhardt von der Hochschule über Compliance-Richtlinien und Haftungsrisiken.

Regulierte Märkte: Fluch und Segen

Die Regulierung sei Fluch und Segen zugleich. Mit dieser These eröffnete Professor Frank Reinhardt von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen seinen Vortrag über „Chancen und Fallstricke in regulierten Märkten“. Er ist Direktor des Instituts für Corporate Governance (ICG) an der Hochschule.

Aufgrund der Änderung rechtlicher Rahmenbedingungen einerseits, aber auch durch sich allgemein ändernde Sichtweisen auf diesbezügliche Fragestellungen stehen Unternehmen vor der Hausforderung der Etablierung einer Struktur, die eine nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung gewährleisten, machte Professor Frank Reinhardt deutlich. „Wir befinden uns am Übergang zum Systemdenken“, sagte er und nannte als Beispiel Siemens und dessen Compliance-Richtlinien.

Dieser Trend, Compliance-Richtlinien einzuführen, werde früher oder später mit einer gewissen Zeitverzögerung auch bei den kleinen Unternehmen ankommen. Verschiedene Indikatoren deuteten darauf hin: So werden Haftungsrisiken immer größer, Regulierungen dichter, Überwachung engmaschiger und Ansprüche würden strikter verfolgt im Gegensatz zu früher.

Deshalb sei eine Positionierung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für den Unternehmer wichtig. Um Haftungsfragen zu minimieren, gab Professor Reinhardt seinen Zuhörern folgende Handlungsempfehlungen für die Praxis mit auf den Weg: Für die Unternehmensorganisation nannte er die Pflichten des ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters als Maßstab, die es einzuhalten und zu beachten gäbe.

Entscheidend sei, für das Wohl des Unternehmens zu handeln. Bei aller Gründlichkeit und Sorgfalt mahnte er die Teilnehmer dazu, alles Wichtige zu dokumentieren. Denn es gelte der Grundsatz: „Alles, was nicht nachprüfbar dokumentiert ist, das gibt es auch nicht.“

„Das dauert nicht lange“: Trügerische Sicherheit bei Ein-Mann-Wartung

Im Vortrag von Michael Ulmann ging es um drei Tasten, die bei der Wartung der Brandmeldeanlage niemals außer Betrieb gesetzt werden dürfen: Akustische Signale ab, ÜE ab, Brandfall- Steuerungen ab. „Wenn Sie diese drei Knöpfe drücken, aus welchen Gründen auch immer, dann verstoßen Sie gegen eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen“, warnte er die Teilnehmer eindringlich.

Dies sei ein Verstoß gegen das Baurecht, gegen die Versammlungsstättenverordnung und gegen das Arbeitsschutzgesetz. Ein anderer Punkt wiege jedoch noch schlimmer: Es gelangen keine Alarme mehr nach außen, die Feuerwehr werde nicht rechtzeitig alarmiert und im Ernstfall stehen Menschenleben auf dem Spiel oder wertvolle Güter.

Das Prinzip, diese drei Tasten zu drücken, sei sehr weit verbreitet: „Zum Glück ist noch nie etwas Größeres passiert.“ Als Beispiel nannte er die Ein-Mann-Wartung und als typische Ausrede: „Das dauert ja nicht lange.“ „Baurechtliche Forderungen nach der Abnahme: 3 Tasten, die über Ihr Unternehmen entscheiden“, so lautete der Titel des Vortrags von Michael Ulman. Seit 1999 ist er Sachverständiger bei TÜV-Süd und Leiter für den Bereich Produkt- und Qualitätsmanagement. Er ist anerkannter Experte und als Fachreferent in den Bereichen Brandschutz und sicherheitstechnische Anlagen tätig und hat über tausend Projekte in seiner beruflichen Laufbahn begleitet.

Diese Erfahrungen flossen in seinen praxisnahen, kompetenten und dennoch kurzweiligen Vortrag ein: Wie eine Wartung sicher und normkonform abläuft, sei in den einschlägigen Verordnungen klar geregelt. Er empfahl den Teilnehmern, diese Regelungen in die Wartungsverträge mit reinzupacken, Handlungsanweisungen des Betreibers zu dokumentieren und mit Unterschrift zeichnen lassen. Als Alternative zur typischen Wartung mit zwei Personen vor Ort, von denen eine eingewiesene Person das FIZ überwache, empfahl er auf technische Lösungen renommierter Anbieter zurückzugreifen: Ein großer deutscher Hersteller [Siemens; Anm. d. Red.] habe eine Prüfstange im Angebot. Ein anderer [Schraner GmbH; Anm. d. Red.] biete die Lösung, das Anzeigentableau der Brandmeldeanlage auf dem Smartphone während der Wartung immer dabei zu haben.

Digitalisierung: Zweischneidiger Trend für die Sicherheitstechnik

„Industrie 4.0 – Chancen und Konsequenzen für die Sicherheitstechnik“: Das war das Thema von Klaus Hirzel. Er ist Geschäftsführer von Honeywell Security and Fire und mit der Thematik bestens vertraut. Die Digitalisierung nehme eine exponentielle Entwicklung. Deshalb dürfe man diesen Trend nicht verschlafen. Derzeit ignorierten knapp 45 Prozent diese Entwicklung. Daher seine Prognose: „Vier von 10 Unternehmen werden verschwinden.“ Die Sicherheitstechnik als regulierter Markt lebe derzeit von Service und Wartung. Das habe Vor- und Nachteile, genauso wie der gesamte Trend zur Digitalisierung für die Branche zweischneidig sei.

Als negativ bewertete er, den Smart- Building-Trend aus dem Consumer- Markt: „Diese Welle mit den günstigen und weniger qualitativen Produkten darf nicht in den Security Markt schwappen. Einen positiven Trend sieht Klaus Hirzel in der zunehmenden Automatisierung sowohl in der Fertigung als auch in der Fortbewegung: „Autonome Fertigungen benötigen mehr Sicherheitstechnik genauso wie das autonome Fahren.“ Bei aller Euphorie und Chancen müsse jedoch stets die „Cyber-Security“ gewährleistet sein.

Das magische Dreieck: Kunde, Mitarbeiter und Lieferanten

Mit „Vorsicht Falle: Erfahrungen aus 20 Jahren unternehmerischer Praxis“, gab Stefan Schraner, Multi-Entrepreneur und Geschäftsführer der SCHRANERGroup, praxisnah und kompetent Einblicke, wie sich Fehler und Fallstricke vermeiden und so Haftungsrisiken für den Inhaber und Geschäftsführer effektiv und effizient minimieren lassen. „Bei all meinen unternehmerischen Aktivitäten ging es mir immer um das magische Dreieck: Kunde, Mitarbeiter und Lieferanten“, führte er aus. Nur wenn dieses Dreieck in Balance sei, könne das Unternehmen erfolgreich am Markt agieren. Die Aufgabe des Unternehmers sei es hauptsächlich, diese Beziehungen im Gleichgewicht zu halten.

In seinem Vortrag schilderte er echte Erlebnisse aus den letzten Jahren und machte so den Teilnehmern anschaulich deutlich, dass es trotz aller Bemühungen, keine Perfektion und auch keinen 100-prozentigen Schutz geben könne: „In meinen Unternehmen besetze ich beispielsweise die Stelle der Geschäftsleitung immer redundant, so dass im Falle eines Falles das Unternehmen handlungsfähig bleibt: Doch was machen Sie, wenn dann doch beide Geschäftsführer in das gleiche Auto steigen und auf dem kurzen Weg zum Kundentermin einen Unfall haben und für mehrere Wochen ausfallen?“ Sein Fazit: Egal, welche Entscheidungen ein Unternehmer treffe, welche Prozesse er in seinem Unternehmen einführe, er müsse sich immer darüber im Klaren sein, dass er alleine für alle Handlungen – auch die seiner Mitarbeiter – verantwortlich zeichne.

Workshop zur Vertiefung

Das Interesse der Teilnehmer der Errichter- Impulse war groß und es entstand auch die Nachfrage, das Thema zu vertiefen. Dafür ist ein Workshop mit Professor Frank Reinhardt geplant.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.errichter-impulse.de

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