WEGEN EIGENMÄCHTIGER ABHÖRAKTION VERURTEILT

13.07.2016

Weil er mit verschiedenen Abhörgeräten seine Belegschaft überwacht hat, ist im Herbst vergangenen Jahres gegen den Besitzer einer Backwaren-Kette im nördlichen Chiemgau ein Strafbefehl von 30 Tagessätzen zu je 40 Euro, somit von 1.200 Euro ergangen. Der Einspruch dagegen platzte vor dem Landgericht im Januar dieses Jahres, da der angeklagte Bäckermeister nicht erschienen und nach Ansicht der Richterin nicht hinreichend entschuldigt war.

Der Bäckermeister hatte vor einigen Jahren ein Geschäft mit mehreren Filialen übernommen. Offensichtlich hegte der Chef später Misstrauen gegen seine Belegschaft. Mehrere Mitarbeiter fühlten sich überwacht – von angeblich an verschiedenen Stellen installierten kleinen Kameras, wie die Lokalpresse zu berichten wusste.

Den Ausschlag für das juristische Nachspiel brachte ein kleines Diktiergerät. Durch Zufall – wie es heißt – war eine der Angestellten am 4. April 2012 in einer Arbeitspause auf das kleine Aufzeichnungsgerät gestoßen: Es war in der hohlen Lehne eines Plastikstuhls im Personalaufenthaltsraum versteckt. Die Mitarbeiterin verständigte die Polizei. Daraufhin war gegen den Handwerksmeister der Strafbefehl wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Worts“ erlassen worden.

Im § 201 des Strafgesetzbuch ist geregelt: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt ... das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt...“ Gegen den Strafbefehl hatte der Unternehmen Einspruch eingelegt.

Großer Image-Verlust

Wie sich der 45-Jährige zu den Vorwürfen in dem Strafbefehl stellt, war nicht zu erfahren. Der Angeklagte tauchte am 8. Januar dieses Jahres zu Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Traunstein nicht auf. Mit zehn Minuten Verspätung erschien seine Lebensgefährtin und legte die Krankmeldung durch einen Arzt vom vorangegangenen Tag vor. Die Frau erklärte, der 45-Jährige sei schon seit Langem krank und liege seit dem Wochenende im Bett. Richterin Sandra Sauer merkte an, dass eine Krankschreibung nicht bedeuten müsse, dass der Angeklagte verhandlungsfähig sei. Der 45-Jährige sei im November 2012 ordnungsgemäß zum Prozess geladen worden: „Die Ladung enthielt die Belehrung über die Folgen eines nicht oder nicht ausreichend entschuldigten Ausbleibens.“

Ob der Einspruch gegen den Strafbefehl ein glücklicher Schachzug war, muss dahingestellt bleiben. Schwerwiegender als die Geldbuße dürfte mit Sicherheit der Imageschaden für das Unternehmen sein. So wurden die sechs ehemaligen Mitarbeiter der Bäckerei-Kette, die als Zeugen geladen waren, zu begehrten Interviewpartnern für die Journalisten, die den Fall bereits in eine Reihe mit Vorfällen bei Lidl und Aldi stellten. Die lokalen Printmedien wie auch der Rundfunk griffen das Thema interessiert auf.

Nach der „Verhandlung” nutzte die Regionalpresse die Gunst des Augenblicks, um sich mit einigen der ehemaligen Angestellten zu unterhalten. Diese erinnerten sich noch gut an den Tag, an dem sie das Diktiergerät gefunden hatten. Es sei in der Armlehne eines Lehnstuhls auf dem Balkon der Bäckerei versteckt gewesen. „Ich hatte nur auf dem Balkon Empfang für mein Handy und habe dort auch vertrauliche Telefonate mit Ärzten geführt. Das geht doch meinen Chef nichts an“, empört sich die Konditorin, die das Aufzeichnungsgerät entdeckt hat.

Kontrollfreak mit Kommunikationsproblemen

Nachdem die schockierten Angestellten, wie sie gegenüber der Presse betonten, vergeblich versucht hatten, mit ihrem Chef über den Vorfall zu sprechen, haben sie Anzeige erstattet. Die ehemaligen Angestellten der Bäckerei – die inzwischen allesamt den Betrieb verlassen und anderweitig Anstellung gefunden haben – beschrieben unisono ihren Ex-Chef als Kontrollfreak mit Kommunikationsproblemen. Das Verhältnis zu ihm sei von Misstrauen geprägt gewesen. Man hätte schon lange vermutet, vom Chef überwacht zu werden. Der Fund des Diktiergeräts hat diese Vermutung bestätigt.

Nach Auskunft der Traunsteiner Justiz ist der Strafbefehl inzwischen rechtskräftig.

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