„Wer mit offenen Daten umgehen kann, ist im Vorteil“

13.03.2018 Allgemeines

Der Markt für technischen Brandschutz wächst seit 2014 deutlich und wird auch 2017 wachsen: Wohin geht die Entwicklung und worauf müssen sich die Facherrichter einstellen? Ein Überblick.

Bildnachweis: Mrs_ya/Shutterstock

Wirft man einen Blick auf die Marktentwicklung der vergangenen fünf Jahre, so stellt man fest, dass der Unternehmensumsatz in der Sicherheitstechnik in Deutschland 2016 um 6,2 Prozent auf knapp 3,95 Milliarden Euro gewachsen ist. Diese Zahlen veröffentlichte der ZVEI-Fachverband Sicherheit. Der Markt der elektronischen Sicherheitstechnik habe sich 2016 besser entwickelt als erwartet, lautete das Fazit. Einen wichtigen Grund hierfür sah der Fachverband in der anhaltend guten Baukonjunktur.

Das nach wie vor größte Segment stellt die Brandmeldetechnik innerhalb der Sicherheitstechnik dar. Der Umsatz ist 2016 um 6,8 Prozent oder 115 Millionen Euro auf knapp über 1,8 Milliarden Euro gewachsen. Betrachtet man einen Zeitraum von fünf Jahren, so ist dies das drittstärkste Wachstum nach 2015 (plus 170 Millionen) und 2014 (plus 157 Millionen). Insgesamt wuchs der Umsatz in diesem Zeitraum um 502 Millionen Euro. Etwas abgeschwächt hat sich das Umsatzwachstum bei Sprachalarmierungstechnologie mit plus 5,3 Prozent auf 100 Millionen Euro. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen und Rufanlagen nach DIN VDE 0834 verzeichneten eine stabile Entwicklung.

„Der deutsche Markt für elektronische Sicherungstechnik wird seinen Umsatz auch 2017 deutlich steigern“, erwartet der BHE. Der Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. rechnet mit einem neuen Rekordwert und einem Umsatz von 4,145 Milliarden Euro. Die Brandmeldetechnik wächst um 99 Millionen Euro auf 1,904 Milliarden. Bei Sprachalarmsystemen gebe es ein leichtes Wachstum von 2 Prozent auf 102 Millionen Euro. Der Bereich RWA werde um 2,9 Prozent auf 432 Millionen Euro wachsen.

Herausforderung aus rechtlicher Sicht: Die Bauproduktenverordnung

„Das Brandschutzrecht ist weitreichend. Aber gerade im anlagenbezogenen Brandschutz haben sich im Zuge der Anpassung des nationalen Bauproduktenrechts an den europäischen Regelungsrahmen einige Herausforderungen gezeigt“, sagt Rechtsanwältin Marthe-Louise Fehse von der Kanzlei Kopp-Assenmacher & Nusser Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB aus Berlin. Sie ist auf dieses Thema spezialisiert. Dies zeige sich exemplarisch an folgenden Punkten: „Die Normungsarbeit an der sog. ‚54-er Reihe’ steht beispielsweise faktisch still, weil keine neuen Normen angenommen werden.“ Außerdem wurden im Jahr 2013 die EU-Bauproduktenrichtlinie durch die EU-Bauproduktenverordnung ersetzt. „Dabei wurde das europäische Regelungskonzept erheblich geändert. Die Normen sollen nunmehr lediglich einheitliche Prüfverfahren enthalten, während die Mitgliedstaaten, die für die Verwendung erforderlichen Leistungsanforderungen selbst definieren können.“

Das neue Regelungskonzept sei mittlerweile auch in das nationale Bauproduktenrecht übernommen worden. Dazu wurde im Jahr 2016 die Musterbauordnung novelliert. „In diesem Jahr ist auch die Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV-TB) erstmals vom DIBt veröffentlicht worden, welche das System der Bauregellisten auf Dauer ablösen soll“, so Rechtsanwältin Fehse. Diese wesentlichen Regelungsänderungen bildeten sich jedoch in der Normung in großen Teilen nicht ab. Davon sei unter anderem auch die „54-er Reihe“ betroffen.

Doch damit ist das Thema noch längst nicht abgeschlossen: „Die Europäische Kommission hat nach zahlreichen Problemen bei der praktischen Umsetzung der EU-Bauproduktenverordnung einen Revisionsprozess eingeleitet.“ Das Ergebnis dieser Revision sei allerdings noch offen. „Die Kommission will betroffene Stakeholder in den Prozess einbinden. Die betroffenen Unternehmen können sich also einbringen, um auf Veränderungen hinzuwirken, die bei demselben Schutzniveau auf einen vertretbaren Aufwand reduziert werden.“

Hohe Technische Standards und handwerkliches Knowhow

Wie sich das Thema technischer Brandschutz in den letzten Jahren entwickelt hat und wo die Herausforderungen für die Errichterbetriebe künftig liegen, darüber konnte die SicherheitsPraxis mit Dipl.-Ing. (FH) Michael Ulmann sprechen (siehe Interview). Er ist als Leiter des Produkt- und Qualitätsmanagements im Bereich Elektrotechnik der TÜV SÜD Industrie Service GmbH tätig: „Brandmeldeanlagen sind bereits jetzt auf einem hohen technischen Stand, der auch von der Wartungsfirma viel Wissen und Erfahrung abfordert.“ Durch die immer komplexeren Anforderungen an Brandmeldeanlagen, zum Beispiel Brandfall-Steuermatrix, und die beginnende Vernetzung mit der Gebäudeleittechnik, werde hier eine intensive Aus- und Weiterbildung zwingend erforderlich sein. Doch trotz Fernwartung und papierlose Wartung ist sich Michael Ulmann in einem Punkt sicher: „Man wird immer auch Leute benötigen, die die Rauchmelder an die Decke montieren und bei Störungen Bauteile wechseln.“

Technische Aufrüstung der Errichter ist zwingend

Dass die Anforderungen im Brandschutz in der täglichen Arbeit immer komplexer werden, beobachtet auch Dipl.-Ing. Christian Eberwein. Sein Ingenieur- und Sachverständigenbüro ist auf das Thema Brandschutz spezialisiert. Er erstellt unter anderem Brandschutz- und Evakuierungskonzepte und ist im Rahmen der Fachbauleitung für deren Umsetzung verantwortlich. Gleichzeitig erstellt er auch Stellungnahmen und Gutachten. „Wir sind zertifiziert für die Planung von Brandmeldeanlagen und Sprachalarmierungsanlagen, das ist unsere zweite Sparte“, erzählt er. Auch in diesem Bereich mache sein Unternehmen die Bauleitung.

„Die Facherrichter müssen immer vielschichtiger aufgestellt sein, um wirklich alle Anforderungen bewältigen zu können“, so Eberwein, der die Zusammenarbeit als grundsätzlich gut bewertet. „Das Problem liegt eigentlich immer im Bestand.“ Hier fehlten häufig vernünftige Genehmigungsunterlagen. Änderten sich dann noch Auflagen oder Anforderungen von Seiten der Behörden, dann seien nachhaltige Konzepte und praktikable Lösungen gefragt, die einerseits die Sicherheit garantieren, ohne zu einer Kostenexplosion zu führen.

Er sieht im Bereich Fortbildung und Weiterqualifizierung ein weiteres wichtiges Handlungsfeld: „Die technische Aufrüstung der Errichter muss erfolgen. Mit Block und Papier ist bei der Wartung von digitalisierten Anlagen, wie sie teilweise heute schon im Einsatz sind, künftig nichts mehr getan.“ Christian Eberwein erklärt, worauf sich Facherrichter in den kommenden Jahren einstellen müssen. Er nennt das Stichwort BIM, Building Information Management: „In einer digitalisierten Welt werden die Daten der Anlagen offen liegen und den Objekten zugeordnet sein. Die Errichter, die mit diesen Daten arbeiten können, werden dann einen Vorteil haben.“

Die zukünftigen Softwarelösungen verbinden alle Objektbeteiligten, wie Eigentümer, Betreiber, Errichter und Sachverständige, ist sich Eberwein sicher. Nach detaillierter Inventarisierung stünden die Wartungsberichte, wiederkehrenden Sachverständigenprüfungen über die Softwarelösung allen Beteiligten zur Verfügung. „Mit den Möglichkeiten der heutigen Softwarelösungen, kann zum Beispiel direkt nach der Wartung von sicherheitstechnischen Anlagen oder nach Objektbegehungen ohne weitere Büroarbeit der Bericht sowie das Instandsetzungsangebt an den Kunden übermittelt werden.“

Man könne davon ausgehen, dass die Unternehmen, die an der Digitalisierung nicht teilnehmen oder sich nicht auf Stand der digitalen Technik befinden, den Anschluss verlieren. „Diejenigen, die mit den Softwarelösungen umgehen können, werden als die Gewinner im Konkurrenzkampf hervorgehen. Der Anschluss kann nur durch kontinuierliche Fortbildung und Nutzung der vorhandenen Softwarelösungen gehalten werden“, sagt Christian Eberwein.

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