Der Markt wächst und der Trend geht zu ganzheitlichen Lösungen

31.10.2018 Allgemeines

Sicherheitsmarkt auch 2017 im Aufwind mit einem Umsatz von über 4 Milliarden Euro für elektronische Sicherungstechnik. VdS erweitert deshalb Richtlinie 3534 für Gefahrenmanagementsysteme

Bildnachweise: Adam/fotolia

„Der deutsche Markt für elektronische Sicherungstechnik wird seinen Umsatz auch 2017 deutlich steigern“, das waren die Prognosen des BHE. Der Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. rechnete mit einem neuen Rekordwert und einem Umsatz von 4,145 Milliarden Euro. Ende Juni legte nun der BHE die endgültigen Zahlen in seiner aktuellen Markterhebung vor und die haben den prognostizierten Rekordwert noch einmal übertroffen. So konnte der Gesamtumsatz im deutschen Markt für elektronische Sicherheitstechnik im Jahr 2017 einen deutlichen Anstieg um 6,1 Prozent verzeichnen. „Mit einem Gesamtvolumen von 4.183 Millionen Euro haben die Sicherheitsanbieter erstmals die 4-Milliarden-Marke geknackt“, so Norbert Schaaf, Vorstandsvorsitzender des BHE. Er wertete dies als einen Beleg dafür, „dass das Bedürfnis nach Sicherheit stetig zunimmt und die unterschiedlichen Systeme über alle Branchen und Anwendergruppen hinweg an Bedeutung gewinnen“. 2016 lag er noch bei knapp 3,95 Milliarden Euro.

Das nach wie vor größte Segment stellt die Brandmeldetechnik inklusive Rauchwarnmelder innerhalb der Sicherheitstechnik dar. „Sehr deutlich fiel der Zuwachs“ bei diesen lebensrettenden Systemen aus. Der Umsatz stieg um 145 Millionen Euro, das ist ein Zuwachs von 8 Prozent, auf 1,95 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Umsatz lag 2016 bei 1,805 Milliarden Euro, das entsprach einem Zuwachs von 6,8 Prozent oder 115 Millionen Euro. Betrachtet man einen Zeitraum von fünf Jahren, so ist dies das drittstärkste Wachstum. Das Jahr mit den höchsten Zuwächsen bleibt 2015 mit einem Plus von 170 Millionen und 2014 mit einem Plus von 157 Millionen.

Positiv entwickelten sich auch die Rauch- und Wärmeabzugsanlagen und die sonstigen Systeme, wie Fluchttürsysteme, Rufanlagen oder Personenhilferuf: Der Umsatz stieg um 1,9 Prozent auf 428 Mio. Euro. Auch die Sprachalarmsysteme verzeichneten wieder einen stärkeren Zuwachs, nachdem sich das Umsatzwachstum 2016 etwas abgeschwächt hatte. Erzielte die Sprachalarmierungstechnologie 2016 noch ein Plus von 5,3 Prozent und eine Umsatzsteigerung auf 100 Millionen Euro, so waren es 2017 ein Plus von 6 Prozent und der Umsatz lag bei 106 Millionen Euro.

Auch die Zutrittssteuerung konnte ein besonders großes Plus erzielen und den Umsatz um 7,2 Prozent auf 329 Millionen Euro steigern genauso wie die Videosicherheitstechnik, die ein Plus von 5,7 Prozent erzielte und einen Gesamtumsatz von 540 Millionen Euro. „Das verstärkte Interesse an diesen Systemen kommt nicht von ungefähr: Sie schützen Areale, Gebäude oder Räume vor unberechtigtem Zutritt und überwachen sensible Bereiche. Somit sind sie für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche geeignet: Privathäuser, Gewerbe, Industrie, Behörden aber auch zum Schutz öffentlicher Plätze und Einrichtungen“, heißt es von Seiten des BHE.

Für das Wachstum in der Einbruchmeldetechnik sind aus Sicht des BHE vor allem zwei Faktoren ursächlich: Zum einen die hohe Zahl an Wohnungseinbrüchen und das damit verbundene Gefühl vieler Bürger, in den eigenen vier Wänden nicht sicher zu sein. Zum anderen habe die KfW-Förderung für einen Aufschwung im Markt gesorgt. Der Umsatz stieg um 3,8 Prozent auf 830 Millionen Euro.

ZVEI rechnet mit einem stabilen, aufwärts gerichteten Trend

Der Markt der elektronischen Sicherheitstechnik in Deutschland habe sich 2017 erneut mit stabilem Wachstum gezeigt, heißt es von Seiten des ZVEI-Fachverbandes Sicherheit. Die Branche gehe von einem stabilen, aufwärts gerichteten Trend auch für die Zukunft aus. Neben dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis und der guten Konjunktur am Bau sieht Uwe Bartmann, Vorsitzender des Fachverbands, auch den Einfluss der Politik: „Der Koalitionsvertrag betont das Sicherheitsthema ausdrücklich. Was bislang als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, ist jetzt politisch besetzt und der Bedarf im Koalitionsvertrag beschrieben. Dies eröffnet uns neue Perspektiven im Gespräch mit öffentlichen Entscheidern, aber auch mit anderen Akteuren wie etwa den Betreibern kritischer Infrastrukturen.“

Weitere strategische Wachstumsperspektiven sieht Bartmann in der Digitalisierung und Vernetzung der Sicherheitstechnik mit anderen Gewerken und in der Serviceorientierung: „Elektronische Sicherheitstechnik ist integraler Bestandteil im smarten Gebäude. Jetzt geht es darum, aus vorhandenen Daten unter Wahrung des Datenschutzes neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen zu entwickeln.“

Gewerke verschmelzen. Ganzheitliche Lösungen sind gefragt.

Die Gewerke innerhalb der Sicherheitstechnik verschmelzen im Zuge der Digitalisierung zusehends. Deshalb sind auch ganzheitliche Systeme und Lösungen gefragt. „Aufgrund des generellen Zusammenwachsens der Sicherheitsgewerke ergänzt VdS die Richtlinien 3534 für Gefahrenmanagementsysteme unter anderem um die Bearbeitung von Brandalarmen“, teilte deshalb auch vor kurzem die VdS Schadenverhütung GmbH mit. Sie ist Europas größtes Institut für Unternehmenssicherheit und eine 100 prozentige Tochter des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.

Ein entscheidendes Leistungsmerkmal der Sicherheitsbranche sei Schnelligkeit. „Müssen Gefahrenmeldungen erst per Telefon an den eingreifenden Interventionsdienst weitergegeben und noch Alarmdetails wie Objektspezifika erklärt werden, so kann schon diese Verzögerung zu erheblichen Schäden führen“, heißt es in der Pressemitteilung. So könne es zum Beispiel zu einem nicht mehr beherrschbaren Vollbrand oder einem nicht mehr abzuwehrenden Diebstahl kommen. Deswegen organisierten viele Leitstellen ihre Alarmbearbeitung mit Gefahrenmanagementsystemen (GMS). „Die Programme versorgen alle Beteiligten sofort mit unter anderem vordefinierten und lageangepassten Maßnahmenplänen zur jeweiligen Meldung und optimieren so die Reaktionsschnelligkeit der Gefahrenabwehr.“ Elementar sei in sicherheitskritischen Verwendungen immer die unbedingte Zuverlässigkeit der Systeme, weshalb sich zahlreiche Anwender auf nach den VdS-Richtlinien 3534 anerkannte Gefahrenmanagementsystemen verließen.

Der im Laufe des Jahres erwartete Leitstellen-Standard EN 50518 schließe nun auch den Empfang von Brandmeldungen ein und fordere dafür ebenfalls ein Gefahrenmanagementsystem. Da VdS-Richtlinien immer die gültigen Normen, soweit sie vorhanden seien, mit abdecke, habe Europas größtes Institut für Sicherheit seine Richtlinien direkt angepasst. „Diese Anforderungen und Prüfmethoden heißen nun logischerweise nicht mehr ‚GMS für sicherungstechnische Anlagen‘, sondern allumfassend ‚GMS‘“, wie es in der Meldung heißt. „Aktualisiert wurden zudem die Verarbeitungsprozesse zum Objekt- und Ereignisbezug sowie Spezifika der Alarmberichterstellung. Übrigens wurden die bekannt praxisnahen VdS 3534 in wesentlichen Teilen in den kommenden EN-Standard übernommen.“ So werde dies durch die VdS-Richtlinien mit erfüllt.

Harald Mebus, Fachleiter für Sicherungsdienstleistungen bei VdS, erklärt: „Brand- und Einbruchmeldetechniken wachsen immer weiter zusammen. Mit unseren neuen Richtlinien unterstützen wir diesen umfassenden Ansatz der Gefahrenabwehr. Die bewährten Kernelemente der VdS 3534 wurden natürlich beibehalten – unter anderem die präzise vorgegebene Bedienerführung, die gerade in Stress-Situationen eine fehlerfreie Alarmverfolgung gewährleistet. Das Ziel unserer Richtlinien bleibt gleich: Die gute Arbeit von Entwicklern, Dienstleistern und Behörden mit klaren, praxisnahen Anforderungen und Hilfestellungen weiter erleichtern.“

Da beide Kernthemen der Gefahrenabwehr zunehmend verschmelzen, erweitert VdS auch seine bekannte Fachtagung zu Sicherheitsdienstleistungen um relevante Brandmeldeinhalte. Als Fachtagung „Sicherheits- und Alarmmanagement – von der Planung bis zur Intervention“ wird sie zudem erstmals im Rahmen der „VdS-BrandSchutz Tage“ am 4. Dezember in der Koelnmesse stattfinden.

Sieben Hersteller und 34 Anbieter am Markt

Sieben Hersteller von Gefahrenmanagementsystemen sind derzeit nach der VdS 3534 zertifiziert und 34 Anbieter gibt es am Markt. Als weltweit erstes Unternehmen konnte im August 2014 die Netcom Sicherheitstechnik GmbH aus Mainz eine anerkannte GMS-Software anbieten.

Die Erwartungen, die alle Akteure vor vier Jahren hatten, haben sich erfüllt: Mit mehreren hunderttausend realisierten Meldestellen in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen zählt das GMS FELS zu den marktführenden Gefahrenmanagementsystemen. „Unabhängigkeit und Herstellerneutralität sind die entscheidenden Vorteile und garantieren die Integration der gesamten Infrastruktur“, wie es von Seiten des Herstellers heißt. Die „neue VdS-Richtlinie“ trage den Anforderungen nach Verschmelzung unterschiedlicher Sicherheitsgewerke Rechnung, so werde diese zum Beispiel um die Bearbeitung von Brandalarmen ergänzt – es wachse zusammen, was zusammengehört. Diese Entwicklung wird ausdrücklich begrüßt, wie Tobias Klein, Projektmanager bei Netcom auf Anfrage mitteilt. Schaue man auf die Details, so betreffen die Änderungen bzw. Ergänzungen die Aktualisierung von Verarbeitungsprozessen zum Objekt- und Ereignisbezug und auch die Spezifika der Alarmberichterstellung. Außerdem gehe man davon aus, dass sich die deutsche Leitlinie im Wesentlichen auch im kommenden EN-Standard wiederfinden werde.

Auswirkungen auf Fachplaner und Errichter bleiben überschaubar

Die EN 50136 beschreibe die Anforderungen an die eigentliche Datenübertragung zum Beispiel Single Path, Zeit usw. Diese seien dann in die neue „Leitstellennorm“ EN 50518 übernommen worden, dort allerdings als eingehende Signale. „Für mich als Planer verändert sich fast nichts, da die Hersteller ihre Komponenten anpassen müssen. Ich habe lediglich die Aufgabe abzustimmen welcher Übertragungsweg funktioniert, IP oder GSM“, so Percy Görgens. „Da nach meinem Verständnis nur noch Anforderungen an den Übertragungsweg gestellt werden, aber nicht an das Übertragungsmedium an sich, verschwindet hoffentlich das böse Gespenst, das da ist: IP ist gleich Internet und damit, virenverseucht und unsicher.“

Gewerke verschmelzen: Das hat Vor- und Nachteile

Spricht man nun mit einzelnen Facherrichtern, sehen sie durchaus Vorteile darin, wenn die Gewerke verschmelzen: Als großen Vorteil bewerten viele die Kostenersparnis, weil man eben nicht mehr drei Systeme, eins für Einbruch, eins für Zutritt und eines für Brandalarmierung, parallel am Laufen halten muss. Wenn es dann allerdings zu einem Ausfall komme, benötige man doch wieder eine Form von Redundanz. Diese Redundanz könne dann allerdings dazu führen, dass die Kostenersparnis wieder zu Nichte gemacht werde. Eine Zwischenlösung bzw. als guten Kompromiss bewerten die befragten Errichter, die Verwaltung der Systeme unter einem einheitlichen Managementsystem auf Softwarebasis. So könne die Hardware bleiben wie sie sei.

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