„BENZINKLAU“ STEIGT SEIT 2010 UM 17 PROZENT

13.07.2016 Allgemeines

Das Thema gewinnt offensichtlich konsequent an Bedeutung: der Benzinklau an deutschen Tankstellen. Noch nie haben in Deutschland so viele Menschen, trotz zunehmender Videoüberwachung an den Tankstellen, Benzin geklaut wie seit 2013.

Mit 91.578 bei der Polizei angezeigten Tankbetrugsdelikten stieg die Quote seit 2010 um 17,3 Prozent. Auffällig ist, dass es einen Parallelflug zwischen steigenden Benzinpreisen und Diebstahlquoten gibt. Das lässt sich zumindest in den Jahren 2010 bis 2012 beobachten. Eklatant: Obwohl 2013 die Benzinpreise wieder gefallen sind (Super-Benzin um drei, Diesel um vier Prozent), kletterten nach wie vor die Diebstahlquoten immerhin noch um zwei Prozent.

In Deutschland gibt es derzeit etwa 16.000 Tankstellen. Auf deren Basis wurde die Anzahl der Betrugsfälle pro Tankstelle vom Rechercheteam von preisvergleich.de ausgewertet. Für die Anzahl der Tankstellen wurden Angaben der Logilball GmbH und TomTom International berücksichtigt.

20 Tankbetrugsfälle pro Tag in Berlin

Fakt ist: Gemessen an der Anzahl der Tankstellen und den angezeigten Betrugsfällen, ist Berlin die Benzinklau-Hochburg Nummer eins in Deutschland. Statistisch betrachtet wird jede Berliner Tankstelle mindestens 25 Mal im Jahr von Tankbetrügern heimgesucht. Damit liegt die Bundeshauptstadt um 253 Prozent über dem Städtedurchschnitt. Insgesamt verzeichnete die Polizei 7.237 angezeigte Fälle im Jahr 2013. Das sind etwa 20 Fälle pro Tag.

Der zweite Platz geht ins Bergische, nach Solingen. In der Stadt der Messerschleifer wurden im Vergleich zu Berlin zwar nur mickrige 605 Tankbetrugsfälle gemeldet, doch: Bei gerade einmal 27 Tankstellen in der ganzen Stadt macht dies eine Quote von 22 Betrugsfällen pro Tanke aus. Damit liegt die Stadt 219 Prozent über dem Städtedurchschnitt. Auf Platz drei folgt Frankfurt am Main. In der deutschen Bankenmetropole verzeichnete man durchschnittlich 19 Tankbetrugsfälle pro Station. Insgesamt kamen 1.353 Delikte zur Anzeige. Auf Rang vier findet sich Bottrop. In der Stadt im nördlichen Ruhrgebiet sind insgesamt 290 Tankbetrugsdelikte (2012: 218) aktenkundig. Das sind immerhin 17 Delikte pro Tankstelle und Jahr. Weitere Spritbetrugs-Hochburgen sind Köln, Baden-Baden, Saarbrücken, Gelsenkirchen, Herne, Leipzig, Konstanz, Moers, Mannheim, Magdeburg und Dortmund.

Ehrliche Kunden finden sich laut der preisvergleich.de-Erhebung in Aalen und Heide. Statistisch betrachtet wird hier jede Tankstelle nur einmal im Jahr mit dem Tatbestand des Tankbetrugs konfrontiert. Ebenfalls vorbildliche Kunden finden sich auch in Hildesheim, Bayreuth, Esslingen, Fürth, Remscheid, Reutlingen, Bremerhaven, Trier und Schweinfurt. Hier verzeichnete man im Jahr 2013 nur zwei Delikte pro Tankstelle.

Aufklärungsquoten und Tätertypen

Trotz Kameraüberwachung an den Tankstellen liegt die Aufklärungsquote der angezeigten Tankbetrügereien deutschlandweit wie im Vorjahr bei nur 43,1 Prozent, wobei es erfolgreiche Ermittler in Hessen (54,6 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (54,3 Prozent) oder Thüringen (52,8 Prozent) und schlechte in Berlin (24,5 Prozent) oder Bremen (30,9 Prozent) gibt. Besonders schwer gestaltet sich die Aufklärung bei Betrügereien mit gefälschten oder gestohlenen Kennzeichen. Wenn die Täter zudem noch mit Schal, tief in das Gesicht gezogener Mütze und Sonnenbrille bekleidet sind, ist die Chance trotz Videoüberwachung fast gleich null. Das heißt: Der Straftäter kann unbehelligt die Tankstelle verlassen, meist ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

Auf lokaler Ebene sind die Schwankungen der Aufklärungsquoten in den untersuchten Städten noch größer als auf Bundeslandebene. Die beste Aufklärungsquote verzeichnete die Polizei in Esslingen mit 91,7 Prozent. Besonders gut arbeiten die Ermittler auch in Trier. Mit 86,2 Prozent bestätigten sie die gute Aufklärungsarbeit aus dem Vorjahr (2012: rund 85 Prozent). Ermittlungstechnisch mau sieht es in der Betrugshochburg Solingen aus. Nur 16 Prozent der Fälle konnte die Polizei aufklären. Bereits 2012 war die Quote mit 18,6 Prozent nicht berauschend.

Fest steht: Spritklau ist nach wie vor eine Männerdomäne. Von den über 33.693 ermittelten Tatverdächtigen waren 2013 etwa 78 Prozent Männer. Gemessen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen finden sich die meisten in der Gruppe der 30- bis unter 50-Jährigen mit 46 Prozent, gefolgt von der betrügerischen „Jungspund“-Fraktion mit 22,3 Prozent. Die betrügerische Rentnerfraktion findet sich mit läppischen 11,2 Prozent in den Unterlagen. Fahranfänger scheinen in Sachen Tankbetrug noch grün hinter den Ohren zu sein. 4,0 Prozent der Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahre trauen sich, den Tankwart zu betrügen.

Vor Ort klaut es sich am besten: Augenscheinlich sind die Betrüger sehr faul. Weite Fahrtstrecken sind ihnen ein Graus. Denn 33,5 Prozent der Tankbetrügereien erfolgen in der gleichen Gemeinde, in der die „betrogene“ Tankstelle liegt. Fast 14 Prozent der Taten erfolgen im Landkreis, 28,4 Prozent im selben Bundesland.

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