PROFIS AM WERK: LADENDIEBSTAHL NIMMT ZU

05.09.2015 Allgemeines

Die Inventurdifferenzen im Einzelhandel sind 2015 auf 4 Milliarden Euro gestiegen. Hauptursache sind mit einem Anteil von rund 55 Prozent weiterhin Ladendiebstähle, vor allem der organisierte Laden- beziehungsweise Bandendiebstahl macht den Händlern zu schaffen.

Bei den Sicherheitsmaßnahmen hat die offene Videoüberwachung derzeit oberste Priorität und damit das Mitarbeitertraining von seinem Spitzenplatz vertrieben. Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit beim EHI Retail Institute und Verfasser der Studie kommentiert: „Im letzten Jahr sind Ladendiebstähle um rund 100 Millionen gestiegen – einen Löwenanteil daran muss man wohl dem gewerbsmäßig organisierten Diebstahl, insbesondere den organisierten Bandendiebstählen zuordnen“.

Hohe Verluste

Im gesamten Einzelhandel summierten sich 2015 die Inventurdifferenzen – bewertet zu Verkaufspreisen – auf 4 Milliarden Euro. Die Handelsexperten schätzen, dass davon auf Ladendiebstähle durch Kunden rund 2,24 Milliarden Euro zurückzuführen sind. Den eigenen Mitarbeitern werden knapp 810 Millionen angelastet, Lieferanten sowie Servicekräften etwas mehr als 340 Millionen Euro an Warenverlusten im Jahr. Die restlichen 640 Millionen Euro entfallen auf organisatorische Mängel. Die durchschnittliche Inventurdifferenz beträgt 1 Prozent vom Umsatz, weitere Kosten entstehen durch Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz. Insgesamt gehen dem Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3 Prozent des Umsatzes beziehungsweise absolut rund 5,3 Milliarden Euro verloren.

Organisierte Banden

2015 sind die angezeigten Ladendiebstähle laut polizeilicher Kriminalstatistik wieder deutlich um 7,1 Prozent angestiegen auf insgesamt 391.401 Fälle (Vorjahr 365.373). Vor allem schwerer Ladendiebstahl hat in den letzten acht Jahren drastisch zugenommen. Berücksichtigt man die hohe Dunkelziffer mit gut 98 Prozent, bleiben nach Expertenschätzung zudem jährlich mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle je im Wert von rund 86 Euro unentdeckt.

Immer häufiger werden Diebstähle organisiert durchgeführt. Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass allein durch straff organisierte kaukasische Tätergruppen jährlich Waren im Wert von 250 Millionen Euro im Einzelhandel gestohlen werden. Zählt man andere Diebesbanden, beispielsweise aus dem Balkan und anderen europäischen Nachbarn oder dem nordafrikanischen Raum dazu, entfällt nach EHI-Schätzungen wertmäßig rund ein Viertel aller Ladendiebstähle auf Bandendiebstähle und organisierte Kriminalität.

Prävention und Sicherheit

Im Durchschnitt gibt der Handel wieder gut 0,3 Prozent vom Umsatz für Sicherheitsmaßnahmen aus. Bei den Trends zeigt sich die größte Steigerungsrate bei der offenen, also für Kunden sichtbare Videoüberwachung, die für mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen künftig oberste Priorität hat. Nach wie vor kommt aber auch der Schulung und Sensibilisierung von Personal eine Schlüsselrolle zu, um Ladendiebstahl zu minimieren.

Diebstahlrenner

Den Lebensmittelhändlern werden vor allem Parfüms und Kosmetika, Rasierklingen, Tabakwaren, Spirituosen, Wein und Sekt, Zeitschriften, aber auch Kaffee und Babynahrung geklaut. Im Bekleidungshandel sind neben den üblichen Accessoires (Gürtel, Tücher usw.) vor allem hochwertige Damenmarken sowie Funktionsbekleidung bei Dieben beliebt. Im Elektronikbereich zeigt sich hoher Schwund bei Tonträgern, Smartphones samt Zubehör, Speicherkarten, Druckerpatronen und Elektrokleingeräten. Baumärkte nennen unter anderem Akku-Schrauber, Werkzeuge und LED-Leuchtmittel als Diebstahlrenner.

Zurück