DER MODERNE BANKÜBERFALL ERFOLGT AM AUTOMATEN

13.07.2016 Einbruchmeldetechnik

Wer glaubt, dass die Zeiten der Banküberfälle passé sind, sieht sich durch die jüngsten Entwicklungen getäuscht. Vor allem die Geldautomaten sind und bleiben Objekt der Begierde von immer brutaler vorgehenden Ganoven.

In Königerode (Harzgerode) drückten Unbekannte am 5. Juni mit einem Radlader die Wand einer Volksbank ein und stahlen einen Tresor aus dem Bürogebäude. Sie flüchteten mit einem Transporter. Den Radlader, den sie von einer Baustelle vor der Bank geklaut hatten, ließen sie am Tatort zurück. In Hohenturm (Saalekreis) wurde am Morgen des Himmelfahrtstags ein Geldautomat gesprengt. Gerät und Gebäude wurden schwer beschädigt. Die Höhe der Beute bleibt unbekannt. Möglicherweise war der Automat wegen des bevorstehenden Feiertags gut gefüllt.

Die Sparkasse Saarbrücken hat jetzt angekündigt, gefährdete Service-Stellen nachts zu schließen und Automaten nachrüsten. Damit soll es Bankräubern erschwert werden, weitere Sprengangriffe auf Geldautomaten zu verüben. Drei Geldautomaten wurden innerhalb weniger Wochen in Folge im Saarland gesprengt. Zweimal waren die Täter dabei erfolgreich. Eine Entwicklung, die den betroffenen Kreditinstituten Sorge macht, wie die Saarbrücker Zeitung am 11. Juni meldet. „Wir nehmen das sehr ernst“, zitiert das Blatt Werner Sander, Vorstandschef der Sparkasse Saarbrücken, dessen Filiale in Lauterbach zuletzt betroffen war. „Das Vorgehen der Täter zeugt von hoher Professionalität und lässt weitere Versuche erwarten.“ Dem allerdings werde man nicht untätig zusehen. Die Sparkasse Saarbrücken hat beschlossen, in einem ersten Schritt gefährdete Filialen und Service-Stellen in den Nachtstunden zu schließen. „Sollte jemand dann einzudringen versuchen, geht der Alarm los“, sagt Sanders Vorstandskollege Frank Saar. In einem zweiten Schritt würden die Geldautomaten dann zügig mit neuer Sicherheitstechnik nachgerüstet.

Das Phänomen der Geldautomaten-Sprengung ist vielerorts zu finden. Am 13. Juni haben Unbekannte vor einem Spielcasino am Vogelsanger Weg in Düsseldorf einen Geldautomaten in die Luft gejagt. Die Polizei vermutet, dass mindestens zwei bis vier Personen an der Tat beteiligt gewesen sind. Fast zur gleichen Zeit wurde ein Geldautomat an der Tankstelle in Heelden (Kreis Borken) an der Auffahrt zur A3 gesprengt.

Mit 100.000 Euro in der Umhängetasche

„Die Sparkassen-Filiale in Bomlitz-Benefeld bei Soltau besteht nur noch aus einem Geldautomaten. Der Schalterbetrieb wurde vor einiger Zeit eingestellt. Dennoch geben sich die Kunden hier die Klinke in die Hand, um ihre Geldgeschäfte am Automaten zu erledigen. Zweimal pro Woche müssen die Geldautomaten aufgefüllt werden. Das wissen offenbar auch zwei Männer, die sich diese Filiale als sichere Geldquelle ausgesucht haben“, heißt es im Sendertext zu einem Fall, der in Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ im Juni behandelt wurde. Weiter heißt es dort (und jedem Sicherheits-Verantwortlichen werden die Nacken Haare zu Berge stehen): „Zwei weibliche Angestellte der Sparkasse in Bomlitz bei Soltau fahren zu ihrer ehemaligen Filiale in den Ortsteil Benefeld. Die Frauen haben eine Umhängetasche dabei, in der sie 100.000 Euro verstaut haben. Damit wollen sie den Automaten bestücken.“ Dabei werden sie ausgespäht und überfallen. Die bodenlose Leichtfertigkeit, derer sich die Bankverantwortlichen schuldig gemacht haben, wird in der Sendung nicht problematisiert.

Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) verwies in einer Presseerklärung Anfang Juni darauf hin, dass die vom Bundesinnenminister in Berlin veröffentliche Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2013 „zum zweiten Mal in der fast 40-jährigen Geschichte deutscher Geld- und Wertdienstleister keinen einzigen Überfall auf Spezialgeldtransportfahrzeuge“ ausweise. Insgesamt, so die BDGW, „gab es nach der Erhebung des europäischen Dachverbandes ESTA in Europa insgesamt 481 Überfälle, davon 270 in Großbritannien, 59 in Frankreich, 34 in Italien, 33 in Irland, 31 Schweden 14 in Portugal und 11 in Holland.“ Die Täter haben in Deutschland offensichtlich andere Schwachstellen im Geldtransport und der Geldausgabe ausfindig gemacht und diese durchaus erfolgreich genutzt.

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