HOTELS IMMER HÄUFIGER ZIEL VON RÄUBERN

13.07.2016 Allgemeines

In Deutschland nehmen die Raubüberfälle auf Hotels dramatisch zu: Alle paar Tage sei über neue Fälle zu berichten, betont der auf Hotelsicherheit spezialisierte Berater Ulrich Jander.

Vor Kurzem war erneut das Mercure Wings Hotel in der Anton-Flettner-Straße in Raunheim nahe dem Frankfurter Flughafen Ziel eines bislang unbekannten Täters. Bei einem anderen Hotelüberfall im Rhein-Erft-Kreis wurde eine junge Hotelmitarbeitern mit einer Pistole bedroht. Wenige Tage zuvor war der Portier eines Wiesbadener Hotels überfallen worden. Ziel eines Raubüberfalls wurde am 30. Mai auch das Fünf-Sterne-Hotel Deidesheimer Hof in Rheinland-Pfalz. Das Hotel war in den 1980er und 190er Jahren beliebtes Reiseziel des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, der dort auch internationale Staatsgäste zum Essen lud.

Mit Reizgas an die Rezeption

Nach dem erneuten Raubüberfall auf das Airport-Hotel Mercure Wings im hessischen Raunheim ist die Polizei ebenso wie die ermittelnden Beamten in Wiesbaden auf Zeugenhinweise angewiesen. Mit der Bitte um Hinweise wendet sich die Polizei Rüsselsheim nach einer räuberischen Erpressung an mögliche Zeugen. Der Täter war in der Nacht zu Pfingstsonntag um 2.13 Uhr maskiert an die Rezeption gekommen und hatte mit einer Pistole gedroht. Der Night Auditor gab dem Mann rund 1.000 Euro Bargeld heraus. Im Fall des carathotels in der Wiesbadener Parkstraße hatte der männliche Täter mit einem Stein die Türverglasung zum Büro des Hotels eingeworfen und die Tür geöffnet. Der diensthabende Portier hatte den Krach im Nachbarraum gehört und versuchte seinerseits, die Tür zu seinem Empfangsbereich zuzuhalten. Dem Täter gelang es jedoch, die Tür aufzudrücken und Reizgas zu versprühen. Anfang Juni stand in Berlin ein 24-Jähriger vor Gericht, der fünf Monate zuvor versucht hatte, ein Hotel zu überfallen. Als ihm Polizisten in einem U-Bahn-Tunnel in Berlin-Charlottenburg auf den Fersen waren, hatte er diese mit Steinen geworfen.

Wiederholt ist das Mercure Wings Hotel Raunheim Ziel eines Überfalls geworden. Anfang November vergangenen Jahres hatte ein unbekannter Täter einen Rezeptionisten am frühen Morgen mit einem Messer bedroht. Wenige Tage später wurden einem Gast bei einem Trickdiebstahl in der Hotellobby das Gepäck samt Bargeld und iPad geklaut. „Schon vor Jahren hatten wir im Rahmen eines Hotelchecks für Geschäftsreisende gemäß Travel Risk Management auf die Gefahren speziell für dieses Hotel hingewiesen, aber man zeigte kein Interesse”, weiß Hotel-Experte Jander zu berichten. „Überfälle sind ein nicht kalkulierbares Risiko in der heutigen Zeit. Als Verantwortlicher muss man sich Gedanken zu dem Thema machen: Wie schütze ich meine Gäste und Mitarbeiter“, konstatiert der Hotelexperte. Inzwischen sind Hotels offensichtlich als lohnendes Ziel – vergleichbar mit Tankstellen und Spielhellen – von Räubern geworden, die sich „auf die Schnelle“ Bargeld besorgen wollen.

Ratschlag: Sicherheitstechnik einsetzen!

Jander warnt vor weiteren Überfällen. Die Hotellerie sei besonderes gefährdet, da in vielen Häusern keine Überwachungskameras laufen würden und Bargeld leicht zu bekommen wäre. Der Hotelexperte rät dazu, den Rezeptionsbereich mit Kameras zu überwachen und Geldbestände in Tresoren mit Zeitschließautomatik zu verwahren.

Nach Informationen der Polizei suchen Straftäter gezielt Hotels aus, deren Rezeption nachts nicht besetzt ist oder in denen die Betreiber nicht im Haus wohnen. Diese Hotels würden dann ausgekundschaftet. „Im Rahmen der Vorbereitungen für diese Taten ist es sehr wahrscheinlich, dass die späteren Täter unter fadenscheinigen Gründen die Betriebe aufsuchen, um sich zum Beispiel nach Zimmern für Familien- oder Geburtstagsfeiern zu erkundigen“, so eine Pressemitteilung der Polizei in Oldenburg, wo ebenfalls mehrere Einbruchsversuche in Hotels unternommen worden waren.

Dienstleister bieten Lösungen an

Eine Möglichkeit, den Schaden so gering wie möglich zu halten, sei, den Rezeptionsbereich auch nachts beleuchtet zu lassen. Bargeld oder Wertsachen sollten dort nicht aufbewahrt werden und offene Kassenschubladen weisen darauf hin, dass kein Bargeld vor Ort liegt. Auch die partielle Absicherung dieser Bereiche durch technische Überwachungsgeräte (Kameras bis hin zu einer Alarmanlage) geben den Betreibern der Beherbergungsbetriebe die Möglichkeit, ungewollte Gäste frühzeitig zu erkennen und die Polizei zu informieren. Hierzu bietet die Polizei kostenlose Beratung auch vor Ort durch den Beauftragten für vorbeugende Kriminalprävention an.

Bisher wurden nur wenige Tätigkeiten eines Hotelbetriebs dem Bereich der Hotelsicherheit zugeordnet. Der Aufgabenbereich eines Doormans, Liftboys oder Fahrers für gehobene Kunden wurde daher vor allem mehr als besonderer Service als eine echte Sicherheitsmaßnahme betrachtet. Dies hat sich gerade bei größeren und etablierten Hotelketten geändert, in denen verschiedene Aufgabenbereiche zwischen Service und Sicherheit liegen. Sicherheits-Dienstleister bieten inzwischen technische wie auch personelle Konzepte zur verbesserten Hotelsicherheit an.

Ranking der schlecht geschützten Hotels

Unter den Ganoven gebe es längst Hinweise und „Bewertungen”, welches Hotel nicht besonders gut geschützt sei. Fehlende Videoüberwachung am Eingang und in der Lobby, hohe Bargeldbestände und abgelegene Lagen von weit entfernten Polizeistationen sei geradezu einladend für die Täter. Jander rät besonders gefährdeten Hotels dazu, das Bargeld mit Kassenautomaten, wie man sie von Tankstellen kennt, einzusetzen. Zudem sollten höhere Beträge in Tresoren mit Zeitschließautomatik verwahrt werden. Hinweise zu diesen Sicherheitsmaßnahmen würden potenzielle Täter schon beim Auskundschaften abschrecken.

Längst trifft es nicht erfahrene und zuweilen hartgesottene Night Auditors. Nun wurde eine 24-jährige Mitarbeitern eines Hotels im Rhein-Erft-Kreis mit einer Pistole bedroht. Der maskierte Täter kam an einem Sonntagabend und konnte mit einem geringen Bargeldbetrag entkommen. Nun sucht die Polizei den Mann mit einem Phantombild. Der Betreiber des Hotels hat für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgelobt.

Da immer mehr Hotelmitarbeiter durch die steigende Zahl der Raubüberfälle betroffen sind, wurde von der Berufsgenossenschaft (BGN) eine Broschüre zum Thema Arbeitssicherheit herausgegeben. Die Mitarbeiter, die auch hier ein Trauma erlitten haben, können professionelle Hilfe bei einem Psychologen in Anspruch nehmen.

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