VORSICHT VOR „VERIRRTEN“ KUNDEN

13.07.2016 Video-Überwachungstechnik

„Einbrüche im Gewerbegebiet häufen sich“, meldeten die „Schleswiger Nachrichten“. Zwar bezog sich die Meldung nur auf die Kleinstadt Kropp am nördlichsten Ende der Bundesrepublik, aber sie weist in ihrer Tendenz auf ein allgemeines Phänomen.

Industrie- und Gewerbegebiete erweisen sich für Diebestouren äußerst anfällig. Bei einer Firma in der Kropper Werkstraße war im Januar innerhalb weniger Tage gleich zweimal eingebrochen worden. „Beim ersten Mal haben die Einbrecher ein Fenster eingeschlagen und eine Tür beschädigt“, berichtete der Geschäftsführer. Die dürftige Beute der Diebe sei eine Box mit Briefmarken gewesen. Die Rechner seien wohl zu alt und der Tresor sowieso leer, nachdem das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren immer wieder mit Einbrüchen zu kämpfen hatte. Dennoch seien die Diebe wiedergekommen, nur vier Nächte später.

Bargeld, Kraftstoff, Buntmetalle

Diese Firma im Gewerbeareal an der Bundesstraße 77 sei nicht das einzige Ziel von Ganoven gewesen, berichtete Kriminalhauptkommissar Kai Nielsen von der Kripo Schleswig dem Blatt. Und verweist auch auf die Ursachen: „Das liegt natürlich auch an der Lage. Am Wochenende und am Abend sind dort kaum Menschen unterwegs und das Gebiet ist kaum beleuchtet“, so Nielsen. Immer wieder komme es zu Diebstählen von Autoteilen, Firmen-Technik, Dieselkraftstoff, Fall- und Kupferrohren. Von Oktober bis Dezember 2012 habe es 15 Einbrüche in Gewerbeobjekte in Kropp gegeben, der überwiegende Teil davon in besagtem Gewerbegebiet, das sei im Vergleich zum gleichen Zeitraum im vorvergangenen Jahr eine Steigerung um 50 Prozent.

Das Ausbaldowern günstiger Einbruchsziele hat dabei eine neue Komponente erhalten: das Internet. Der Kripo-Mann warnt daher vor zu freizügigem Umgang mit Abwesenheitsbekundungen zum Beispiel während der Feiertage in sozialen Netzwerken. „Wir wissen von Tätern, dass sie auch daher ihre Informationen bekommen“, so Nielsen.

Keine Zeugen und kaum Spuren

Sein Kollegen Heinrich Hauner von der Kripo München weiß zu berichten, dass die Probleme von Nord bis Süd dieselben sind. „Die meisten Einbrecher kommen, wenn keiner da ist“, so der polizeiliche Fachberater im Bereich der Prävention und des Opferschutzes, „das heißt, sie haben keine Zeugen und können somit nicht wiedererkannt werden. Wenn sie mit Handschuhen arbeiten, was die Meisten tun, hinterlassen sie auch keine Fingerabdrücke. Nur manchmal haben wir Glück und ein Täter hinterlässt aus Unachtsamkeit beispielsweise einen Zigarettenstummel und damit seine DNA-Spur. Eine andere Möglichkeit, Einbrecher zu überführen, ist, wenn die entwendeten Gegenstände eine Individualnummer tragen. Aber das ist eher selten. Daher kann man häufig den Tätern ihren Diebstahl nicht nachweisen. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen in Bayern beträgt insgesamt nur zwischen 20 und 25 Prozent. Die Fälle, die aufgeklärt werden, werden es anhand von Tatmustern oder wenn Täter auf frischer Tat von der Polizei gefasst wurden und sich bei der Vernehmung kooperativ zeigen. So kann man direkt in eine Serie an Einbrüchen Klarheit bringen. Grundsätzlich versuchen wir, bei jedem Einbruch Fingerabdrücke oder DNA sicherzustellen und gleichen diese mit der Datenbank ab. Wenn dieser Einbrecher wegen eines Deliktes schon einmal erkennungsdienstlich behandelt wurde, können wir ihn so überführen.“

Rat von der Kriminalpolizei holen

Gleich in drei Firmen im Gewerbegebiet Uerdingen-Nord sind Unbekannte Ende Januar in einer einzigen Nacht, eingestiegen. Alarmanlagen wurden einfach abgerissen und unbrauchbar gemacht. In die Betriebe gelangten die Täter durch aufgehebelte und eingeworfene Fenster.

Jeder Betrieb und jedes Geschäft – egal welcher Größe – sollte sich Gedanken über das Thema Einbruchschutz machen. Zwar ist man nicht gesetzlich verpflichtet, entsprechende Maßnahmen umzusetzen, aber die Versicherer können hinsichtlich mechanischer und elektronischer Sicherheitsmaßnahmen klare Bedingungen stellen, ohne die sie keinen Versicherungsschutz gewähren. Letztlich sollte es aber natürlich auch im eigenen Interesse sein, seinen Betrieb oder sein Geschäft vor Diebstahl und Einbruch zu schützen. Kriminalpolizeiliche Beratung sollte immer die erste Anlaufstelle sein, heißt es im Präventionsportal der Polizei.

Präventionskatalog der Polizei

Nach Erfahrungen der Polizei kann man sich vor Einbruch – und dies gilt auch für den gewerblichen Bereich – wirkungsvoll schützen. Dazu listet die Polizei auf: Die Installation wirkungsvoller Sicherungs- und Überwachungstechnik (mechanische Sicherungen, Einbruchmeldeanlagen, Beleuchtung usw.), dazu möglichst personelle und organisatorische Maßnahmen sowie durch sicherheitsbewusstes Verhalten/Nachbarschaftshilfe.

Da immer die speziellen örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden müssen, sollte der kostenlose und individuelle Beratungsservice der Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Anspruch genommen werden. Welche Beratungsstelle zuständig ist, erfährt man bei der örtlichen Polizeiinspektion oder im Internet unter http://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/beratungsstellen-suche.html. Das Werkstatt- und Bürogebäude sollte auf jeden Fall eine mechanische Grundsicherung aufweisen. Dazu gehört die Sicherung aller Außentüren/-tore, der Fenster, Kellerlichtschächte und sonstiger sicherheitsrelevanter Gebäudeöffnungen.

Speziell gesicherte Räume schaffen

Diebstahlsgefährdete Spezialwerkzeuge und Ähnliches, aber auch Fahrzeugschlüssel sollten nach Arbeitsschluss keinesfalls in der ungesicherten Werkstatt verbleiben, sondern grundsätzlich gesichert aufbewahrt werden. Da aber eine umfassende Gebäudesicherung oft nicht realisierbar ist, schlägt die Polizei vor, einen eigenen, besonders gesicherten Raum zu schaffen oder die Geräte in einem gesicherten Behältnis aufzubewahren. Bereits vorhandene Räume, beispielsweise im Keller, könnten entsprechend nach- oder umgerüstet werden. Möglich wäre auch eine so genannte Raum-im-Raum-Lösung. Ein besonders gesicherter Raum sollte möglichst aus Umfassungswänden und einer Decke in besonders fester Bauweise bestehen und geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Türen nach DIN V ENV 1627 Widerstandsklasse WK 3 besitzen sowie fensterlos sein.

Zur gesicherten Aufbewahrung eignen sich auch geprüfte Wertschutzschränke. Diese sollten von der Forschungs- und Prüfgemeinschaft (FuP) in Frankfurt/Main oder von der VdS-Schadenverhütung in Köln zertifiziert sein und zumindest dem Widerstandsgrad N (0) entsprechen. Licht schreckt Einbrecher ab und erhöht das Entdeckungsrisiko, betont man bei der Polizei. Deshalb sollte das Firmengrundstück unbedingt ausreichend beleuchtet werden.

Richtige Alarmanlage ist ein wichtiger Schritt

Das Firmengrundstück sollte möglichst mit einem Stahlgitterzaun und einem entsprechend massiven Zufahrtstor eingefriedet werden. Einfache Maschendrahtzäune haben wenig Sicherheitswirkung. In den polizeilichen Tagesmeldungen ist bei Einbruchsdelikten immer wieder zu lesen, dass sich die Täter durch Aufschneiden des Zauns Zugang zum Firmengelände verschafft haben. Ergänzend zu den oben stehenden Empfehlungen wird deshalb die Installation einer Einbruchmeldeanlage (Alarmanlage) empfohlen.

Aus taktischen Gründen sollte Wert darauf gelegt werden, die Einbruchmeldeanlage so auszulegen, dass ein Einbruch möglichst früh gemeldet wird. Da eine so genannte Außenhaut-Überwachung nicht immer realisierbar sein dürfte, wird eine fallenmäßige Raumüberwachung mit Bewegungsmeldern vorgeschlagen. In die elektrische Überwachung sollte unbedingt der oben genannte besonders gesicherte Raum beziehungsweise das Wertbehältnis mit einbezogen werden. Der richtigen Alarmierung kommt große Bedeutung zu. Welche Alarmierungsart im Einzelfall empfehlenswert ist, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Es wird empfohlen, mit der Projektierung und Installation der Einbruchmeldeanlage eine Firma zu beauftragen, die im Errichternachweis „Überfall- und Einbruchmeldeanlagen“ des Bayerischen Landeskriminalamtes genannt ist. Die Anlage sollte mindestens der Klasse B gemäß „Pflichtenkatalog für Errichterunternehmen von Überfall- und Einbruchmeldeanlagen“ der Polizei entsprechen.

Um den Verbleib eines gestohlenen Gerätes/Gegenstandes zu ermitteln, benötigt die Polizei alle verfügbaren Kennzeichen, mit denen sich der Gegenstand identifizieren lässt, etwa die individuelle Gerätenummer. Fehlt diese, empfiehlt sich, das Gerät/den Gegenstand selbst individuell zu kennzeichnen, zum Beispiel mit unvergesslichen Daten, wie dem eigenen Kfz-Kennzeichen, dem eigenen Geburtsdatum und den Initialen des eigenen Namens. Am Besten sollte die Kennzeichnung durch Gravur erfolgen. Die Daten müssen dann aber auch registriert und sicher aufbewahrt werden.

Zu achten ist auf verdächtige Personen, die Ausspähversuche unternehmen, beispielsweise auf „verirrte“ Kunden in Räumen, die nicht für den Publikumsverkehr bestimmt sind oder sich auffällig für Büroräume interessieren oder auf Kunden, die sich für Gebrauchtteile und Altreifen interessieren. Die Überprüfung von Kundenparkplätzen nach Geschäftsschluss bezüglich verdächtiger Fahrzeuge wird von der Polizei ebenso als probates Mittel angesehen wie das Informieren und Sensibilisieren der Mitarbeiter. Ein persönliches Vorgehen gegen verdächtige Personen sollte tunlichst unterlassen werden, da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass mit einem rücksichtslosen Verhalten der Täter gerechnet werden muss. Sofortige Verständigung der Polizei bei verdächtigen Wahrnehmungen ist dringend geraten.

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