ENERGIEEINSPARVERORDNUNG UND ZUTRITTSKONTROLLE

25.04.2017 Allgemeines

Heutzutage reicht es nicht mehr aus, Sicherheitstechnik an die Wand zu schrauben. Immer mehr rechtliche Bedingungen werden an die Arbeiten geknüpft, selbst wenn es sich dabei um Gewerke handelt, die mit der Sicherheitstechnik im eigentlichen Sinne überhaupt nichts zu tun haben.

Veränderungen des Rahmenprofils (links) und Veränderungen an einer Tür (rechts)

Eine dieser rechtlichen Rahmenbedingungen trifft auch auf die Komponenten von Zutrittskontrollanlagen zu: die Energieeinsparverordnung (EnEV). Diese Verordnung (VO) mit Gesetzeskraft ist mit ihren in sehr kurzen Zeitabständen erfolgenden Verschärfungen zuerst einmal für den Bauherrn, also den Nutzer der Zutrittskontrolle, bindend. Nichtsdestotrotz berührt sie auch die Arbeit von Planern und Errichtern, und zwar immer dann, wenn es gilt, ein mangelfreies Werk abzuliefern.

Vorgaben

Derzeit ist die EnEV 2014 mit den seit 1.1.2016 gültigen Änderungen maßgeblich. Darauf näher einzugehen, ist nicht sinnvoll, da es auch bei dieser VO verschiedene Übergangsfristen gibt und sie vorrangig bei Neubauten anzuwenden ist. Ferner ist zu berücksichtigen, dass es die unterschiedlichsten Gebäudetypen gibt, die aufgrund ihres Alters nicht anzupassen sind oder bei entsprechenden Umbauten plötzlich berücksichtigt werden müssen.

Da sich die VO an den Nutzer richtet, ist dieser bei der Beratung danach zu fragen, welche Maßnahmen im Rahmen dieser VO durchgeführt wurden und damit auch bei der Installation einer Zutrittskontrollanlage zu berücksichtigen sind. Grundsätzlich sind zwei Punkte künftig immer in die Planung und Ausführung mit einzubeziehen:

  • Bei der EnEV geht es unter anderem darum, dass es zu keinem Wärmeverlust über die Außenhülle kommt (gilt auch für den Übergang zwischen Bereichen mit unterschiedlichen Funktionen, etwa Büro/Lager). Messungen erfolgen mittels Thermografie.
  • Bei der Verschärfung der EnEV mit der Ausführung 2014 kommt hinzu, dass die Hülle des Objekts luftdicht sein soll. Ein Schlagwort ist der „Blower-Door-Test“, bei dem die Druckdifferenz zwischen Außen- und Innenraum kontrolliert wird. Bei der Zutrittskontrolle gibt es verschiedene Möglichkeiten, durch Installationen Wärme- und damit Energieverluste zu erzeugen. Jede Durchdringung der Außenhülle kann dazu führen.

Leseeinheiten

Ein auf die Außenwand aufgeschraubter Leser ist nicht der Ursprung, sondern das zwischen ihm und dem Innenbereich verlegte Anschlusskabel. Die dafür notwendige Durchdringung muss nach Beendigung der Arbeiten mindestens dem Stand des angrenzenden Mauerwerks entsprechen.

Das früher übliche Verfahren, von beiden Seiten in den Zwischenraum Mauer/Kabel eine Knetmasse zu drücken, darf heute nicht mehr angewendet werden, da es nicht mehr dem Stand beziehungsweise den anerkannten Regeln der Technik (SdT/aRdT) entspricht. Problematisch wird es bei Verblend- und Vorsatzmauerwerk.

Dann ist ans äußere Ende der Durchdringung nicht heranzukommen, da es sich zwischen der Außenschale und dem Originalmauerwerk befindet. Noch schwieriger wird es, wenn Leser auf Kundenwunsch unter Putz einzubauen sind. Bei einfachem Mauerwerk wird ihre Tiefe deutlich reduziert, und bei einer Verblendung wird an dieser Stelle die Funktion der Dämmung außer Kraft gesetzt. Unterputz-Montagen von Lesern spielen auch dann eine Rolle, wenn es um einen Übergang in einen anderen Nutzungsbereich geht, beispielsweise von einem Bürotrakt in eine Lagerhalle.

Da jeder Bereich für sich zu betrachten ist, sind die Zwischenwände wie eine Außenwand anzusehen. Wärmeenergie kann bei unsachgemäßer Arbeit vom geheizten in den ungeheizten Bereich abfließen.

Türeinbauten

Ähnlich wie beim Mauerwerk verhält es sich auch bei Einbauten in Außentüren, denn sie sind Teil der Außenhülle. Im Rahmen der Zutrittskontrolle gibt es die verschiedensten Montagen, die an Außentüren erfolgen beziehungsweise notwendig sind:

  • Sperrelement
  • Motorschloss
  • Sicherheitsschloss
  • Türöffner
  • Einbaumagnetkontakt (Rückmeldekontakt)
  • Fallenkontakt
  • Riegelschaltkontakt
  • mechatronisches Terminal.

Jeder Einbau dieser Komponenten kann dazu führen, dass im Türrahmen Einbauöffnungen zu schaffen sind, die in die Konstruktion des Rahmenprofils eingreifen. Neben dem damit verbundenen eventuellen Eingriff in die Garantie/Gewährleistung des Türenherstellers wird gegebenenfalls der Wärmeverlust begünstigt, insbesondere da die Anschlusskabel dieser Bauteile an irgendeiner Stelle auch wieder aus dem Rahmen austreten müssen, nachdem sie vermutlich durch alle Kammern des Profils verlaufen.

Für das Türblatt gilt prinzipiell das Gleiche. Türen haben einen bestimmten Wert, wie viel Wärme durch sie transportiert wird. Das betrifft aber nur die Originaltür. Werden zusätzliche Schlösser eingebaut, erfolgt über die Schlosstaschen ein zusätzlicher Wärmeaustausch nach draußen, denn bei Metalltüren wird das geschlossene Profilsystem „geöffnet“ und bei Holztüren die Materialstärke erheblich reduziert. Auch die Anschlusskabel von Elementen im Türblatt müssen entsprechend nach außen geführt werden. Erstens verändert das Durchbohren des Türblatts die Türkonstruktion, und zweitens ist am Ende ein Kabelübergang kein dichter Abschluss. Auch hier ist notfalls ein Experte, insbesondere der Türhersteller, zu Rate zu ziehen, bevor Einbauten vorgenommen werden.

Kabelinfrastruktur

Neben den Geräten des Zutrittskontrollsystems sind auch die gesamten Systemleitungen eine Basis für Mängel im Zusammenhang mit der EnEV. Das betrifft nicht nur Leitungen, die die Außenhülle durchdringen, sondern auch alle Leitungen, die von einem Bereich in den nächsten verlegt werden. Wärmeenergie kann sowohl in Form von Wärmestrahlung als auch durch die Luftzirkulation über Bohrungen, Schutzrohre usw. abfließen.

Folgeschäden

Allgemein ist in den letzten Jahren bekannt geworden, dass immer dichtere Gebäude dazu führen, dass angesammelte Feuchtigkeit nicht mehr genügend entweichen kann und es dadurch zu Schimmelbildung kommt. Falsche Montagen können durchaus erst nach Jahren zu Folgeschäden führen, wenn vielleicht die Gewährleistungszeit bereits abgelaufen ist. Dabei ist aber daran zu denken, dass es sich hierbei gegebenenfalls um einen verdeckten Mangel handelt, der einerseits bereits bei der Ausführung bestanden hat und der andererseits auf Nichteinhaltung von SdT und aRdT zurückzuführen ist.

Fazit

Die EnEV ist ein Regulativ, das Auswirkungen auf Maßnahmen durch den Nutzer hat, gleichzeitig aber auch Auswirkungen auf die Arbeiten von Planern und Errichtern. Um Mängelrügen, ob berechtigt oder nicht, aus dem Weg zu gehen, sollten die aufgezeigten Punkte generell bei Planung und Ausführung berücksichtigt werden, auch wenn es sich immer wieder um Objekte handelt, die nicht unter die EnEV fallen. Umbauarbeiten des Kunden im Zeitraum zwischen zwei Services oder Inspektionen/ Wartungen können dazu führen, dass danach nur noch die Komponenten der Zutrittskontrolle „luftdurchlässig“ sind oder die Wärme aus dem Gebäude nach außen transportieren. In Zweifelsfällen ist bei den betreffenden Montagen ein geeigneter Experte hinzuzuziehen.

Autor: Adolf Kraheck

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