Elektronische Zutrittskontrolle: Potentiale und Risiken im Blick

14.09.2017 Mechanische Zutrittskontrolle

„Erst fünf Prozent aller Türen in Europa sind mechatronisch ausgestattet“, sagt Mario Dalchow und sieht darin ein „beachtliches Marktpotential“ für die Facherrichterbetriebe. Als größte Herausforderung bewertet er, die „Kompetenz an der Tür“ zu erwerben. Alexander Schröter beleuchtet das Thema Sicherheit und Schutz vor unbefugten Zugriffen. Ein autarkes System bietet für ihn immer noch den meisten Schutz. Gerade vor dem Aspekt der aktuellen Hackerangriffe. Beide verbindet, dass sie großen Wert auf qualifizierte Beratung ihrer Kunden legen und die Lösungskompetenz für komplexe Sicherheitsfragen. Die SicherheitsPraxis hat mit beiden für die neue Rubrik Dialog gesprochen.

Weniger als 5 Prozent der Türen sind mechatronisch in Europa

Mario Dalchow bewertet als größte Herausforderung die Erlangung der „Kompetenz an der Tür“. Mechatronik bietet „beachtliches Marktpotential“.
Bis zum Jahr 2010 ungefähr bedeutete Zutrittskontrolle meistens die Umsetzung von Onlinesystemen mit klassischen Kartenlesern und Ansteuerung von Türöffnern, Automatiktüren, Toren beziehungsweise Schranken. „In diesem Markt hatten sich klassische Zutrittskontroll-Managementsysteme mit entsprechender Online-Hardware, wie Controller, Kartenleser und Zubehör, etabliert“, sagt Mario Dalchow. Er ist Geschäftsführer der Rutte Sicherungstechnik GmbH mit Sitz in Landsberg.

Das im Januar 1991 gegründete Unternehmen versteht sich heute als modernes Systemhaus für Elektronische Sicherheitssysteme und beschäftigt 30 Mitarbeiter. „Unsere installierten Systeme befinden sich zu 90 Prozent im gewerblichen und industriellen Umfeld“, sagt er. Eine wesentliche Stärke habe das Unternehmen in der Planung und Umsetzung von komplexen Projekten, in denen alle Bereiche der elektronischen Sicherheitstechnik, wie Einbruch, Brand, Video und Zutritt, miteinander intelligent vernetzt seien und zusammen mit den Kunden weiterentwickelt werden.

„In den letzten Jahren hat sich dieser Markt komplett gewandelt“, sagt Dalchow. „Getrieben durch die Hersteller von mechatronischen Digitalzylindern und digitalen Türbeschlägen. Vorreiter war eindeutig der Hersteller Simons & Voss, der durch seinen langjährigen Vertrieb und die entsprechend hochwertigen Produkte diesen Markt aufgebrochen hat. Mittlerweile nehmen beim Thema Zutrittskontrolle die mechatronischen Komponenten einen weitaus wichtigeren Teil in Beratungsgesprächen und Projektplanungen ein als die klassischen Online-Leser. Eine Ursache dafür sieht er im Verhältnis Innen- zu Außentüren, das bei 9 zu 1 liege.

Veränderungen bewertet er als durchweg positiv
„Durch die Mechatronik hat sich ein großes Marktpotential entwickelt“ so Dalchow. War man früher zuständig für die wichtigsten Türen in einem Gebäude, wie Außen- oder Etagentüren, so sei man mittlerweile bei quasi jedem Schlüsselloch mit im Boot. „Die Intensität von Beratungsdienstleistungen ist sprunghaft angestiegen, da durch die Fülle von Herstellern und deren Hardware-Konzepten ein Dschungel an Lösungsansätzen entstanden ist.“ Dies werde zusätzlich befeuert durch die komplexen Nebenthemen, wie Transpondertechnologien und Cloud- bzw. mobile Smartphone-Lösungen.

Kompetenz an der Tür sei größte Herausforderung
„Die größte Herausforderung besteht in der Erlangung der Kompetenz an der Tür. Was zunächst simpel erscheint und als reiner Austausch von mechanischen gegen mechatronische Komponenten daherkommt, entpuppt sich als das öffnen der Büchse der Pandora“, schildert er. Sobald man Türen mit neuen Komponenten bestücke, kommen die Themen Fluchtwege, Brandschutz, Einsteckschlösser, Beschläge, Garnituren etc. von Kundenseite mit auf den Tisch. Wer dabei keine Expertise besitze, werde sehr schnell unglaubwürdig.

Entweder man wird als Schlüsseldienst elektronisch oder man verschwindet mittelfristig vom Markt.

Darin sieht er auch den Grund, warum ein neuer Wettbewerber für Elektronische Sicherheitssystem-Errichter entstanden sei: Die ehemaligen Schlüsseldienste. „In diesem Marktsegment hat man natürlich auch schnell mitbekommen, dass mit mechanischen Schließsystemen keine Zukunft mehr gestaltbar ist. Entweder man wird als Schlüsseldienst elektronisch oder man verschwindet mittelfristig vom Markt.“

Sie hätten auch Wettbewerbsvorteile: „Ein Riesenvorteil von Schlüsseldiensten ist die über Jahre gewonnene erwähnte Kompetenz an der Tür.“ Dadurch entstünden mittlerweile immer mehr reine Zutrittskontrollsystem-Unternehmen, die den Wettbewerb verschärften. „Für uns als elektronisches Systemhaus besteht die größte Herausforderung darin, diese mechanische Kompetenz entweder durch Partnerschaften, Firmen-Zukäufe oder personelle Entwicklungssteuerung zu erlangen.“

Alexander Schröter, Geschäftsführer der SGW Technik GmbH

Hohe Dynamik und hohes Wachstumspotential
Im Zutrittskontrollmarkt besteht, nach Ansicht von Mario Dalchow, eine hohe Dynamik und er sieht ein wachsendes Marktpotential: „Was zuerst die Videoüberwachungsbranche erfasst hat, ist nunmehr im Zutrittskontrollgeschäft angekommen. Die Brand- und Einbruchmeldebranche befindet sich weiter im Dornröschenschlaf. – Noch zumindest.“ Derzeit seien weniger als 5 Prozent der Türen in Europa mechatronisch ausgestattet. „Das heißt der Spaß für alle fängt jetzt erst an.“

Mario Dalchow, Geschäftsführer der Rutte Sicherheitstechnik GmbH
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