SICHERHEITSRISIKEN FÜR KMUS IN KRISENREGIONEN

15.07.2016 Reisesicherheit

„Besser eine private Unterkunft als ein Fünf-Sterne-Hotel“ - Elisabeth Froment-Meurice im Interview über Sicherheitsrisiken von Geschäftsaktivitäten in Krisenregionen und maßgeschneiderte Sicherheitslösungen für KMUs

Madame Froment-Meurice, gibt es Länder, bei denen Sie Geschäftsleuten von einem Engagement vor Ort aus Sicherheitsgründen grundsätzlich abraten? Oder gilt: Business geht überall, man muss nur die richtigen

Sicherheitsvorbereitungen treffen?

Elisabeth Froment-Meurice: Das Risiko, das sich aus einer Auslandsreise in Risikoregionen ergibt, hängt von verschiedenen Rahmenbedingungen ab: Aufenthaltsort, Dauer, Status, Nationalität und Erfahrung des Mitarbeiters, Geschäftsfeld sowie Art der Geschäftstätigkeit. Auf Grundlage dieser Analyse können Sicherheitsberater wie GEOS beispielsweise empfehlen, die Reise zu verschieben, weil der Zeitpunkt mit einem sicherheitskritischen Ereignis, etwa politischer Wahlkampf, zusammen fällt.

In erster Linie ist es jedoch unsere Aufgabe, das Risiko für unsere Klienten so weit wie möglich zu minimieren, um ihnen die Entwicklung ihrer geschäftlichen Aktivitäten zu ermöglichen, wo auch immer dies sein mag. Außer in Kriegsgebiete wie Syrien, in denen GEOS auch sein eigenes Personal gefährden würde, sind dringende Geschäftsreisen in Krisengebiete auch dann möglich, wenn eine gute Vorbereitung durch Verhaltenstrainings und Empfehlungen zu Unterkunft, Reiseroute oder Sicherheitsmaßnahmengewährleistet ist.

Bezüglich der derzeit herrschenden terroristischen Bedrohung in einigen Regionen der Erde würden wir so zum Beispiel eher private Unterkünfte als große Fünf-Sterne-Hotels empfehlen, weil diese für Terroristen als symbolische Ziele im Kampf gegen „den Westen“ gelten. Darüber hinaus schulen wir Reisende gezielt hinsichtlich Awareness und führen an die jeweilige Zielregion angepasste Verhaltenstrainings durch.

Worin unterscheiden sich die Sicherheitsanforderungen von KMUs in Krisenregionen von denen großer Unternehmen und worin bestehen in diesem Zusammenhang die Unterschiede Ihrer Dienstleistungen?

Prinzipiell sind alle Unternehmen in einem bestimmten Land grundsätzlich den gleichen Risiken ausgesetzt und tragen die gleiche Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Im Mittelstand besteht jedoch ein gewisser Nachholbedarf hinsichtlich der Unternehmenskultur in Sicherheitsfragen, zum Beispiel bezüglich der konkreten Umsetzung, was Budget, Zeitaufwand und Prozesse betrifft. Zwar müssen auch mittelständische Unternehmen inzwischen erkennen, dass wachsende Bedrohungen, beispielsweise Entführung oder Terroranschläge, sie genauso betreffen können. Sie wollen aber andererseits keine teuren Sicherheitslösungen wie

Global Player kaufen, die für den Bedarf eines mittelständischen Unternehmens oft überdimensioniert sind. Und das müssen sie auch nicht. Denn Dienstleister wie GEOS bieten dem Mittelstand ein an die jeweiligen Bedürfnisse angepasstes Konzept. Dazu ist es erforderlich, zunächst gemeinsam mit dem Unternehmen die Anforderungen an die Sicherheitsorganisation zu definieren, die sich aus den strategischen Zielen des Unternehmens ergeben, und dann eine auf das Unternehmen zugeschnittene Travel Security Policy zu entwickeln.

Sind sich Ihrer Erfahrung nach die Geschäftsführer von KMUs weitgehend ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern in Krisenregionen bewusst?

Global Player und mittelständische Unternehmen haben grundsätzlich die gleichen Bedürfnisse: die Unversehrtheit ihrer Mitarbeiter, auch unter den speziellen Bedingungen des jeweiligen Entsendelands und gleichzeitig die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs. Im Gegensatz zu Global Playern, die diese Themen durch interne Strukturen abdecken können, fehlt es dem Mittelstand oft an entsprechenden strukturellen und prozessualen Voraussetzungen, um dies sicherzustellen. Hier unterstützt GEOS beim Aufbau einer internen Sicherheitsorganisation und garantiert gleichermaßen die ständige Verfügbarkeit im Ereignisfall beziehungsweise während einer krisenhaften Entwicklung.

Der größte Unterschied zwischen Global Playern und KMUs liegt darin, wie die einzelnen Unternehmen die Risiken auch bezüglich ihrer Geschäftsfelder wahrnehmen. Während es die Öl- und Gasindustrie oder der Anlagenbau gewohnt sind, in Risikogebieten zu arbeiten und daher von Haus aus ein höheres Risikobewusstsein haben, entwickeln andere Branchen, etwa die Freizeitindustrie, dieses Risikobewusstsein gerade erst.

Die Reisewarnungen und länderspezifischen Sicherheitsinformationen des Auswärtigen Amts sind oft nicht umfassend genug. Aber auch bei den Info-Diensten von Sicherheitsberatern
gibt es massive qualitative Unterschiede. Wie können KMUs erkennen, ob es sich um gute oder schlechte Informationen handelt und danach ihren Dienstleister auswählen?

Eine reaktionsschnelle und effektive Information muss auf Basis und als Ergebnis einer umfassenden Analyse aller Risikofaktoren erfolgen, die einen Einfluss auf die Sicherheit von Personen und Sachwerten haben können: politische und soziale, geostrategische und wirtschaftliche Faktoren, aber natürlich auch Kriminalität und Terrorismus. Hierzu sind zuverlässige und unabhängige Informationsquellen vor Ort unabdingbar. Diese Informationen müssen dann von einem Expertenteam aus hoch qualifizierten Analysten in einem methodisch einwandfreien Verarbeitungs- und Bewertungsprozess evaluiert und für den Klienten so nutzbar gemacht werden, dass er genau die Informationen und Empfehlungen erhält, die er braucht.

Afrika wird immer attraktiver auch für deutsche KMUs. Zwar gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, können Sie dennoch ein paar grundsätzliche Tipps geben, worauf sich Firmen dort unter Sicherheitsaspekten vorbereiten sollten?

Die Unterschiede der verschiedenen Kulturen und Nationalitäten sind nicht zu übersehen. Die meisten afrikanischen Länder teilen jedoch die gleichen Herausforderungen, zum Beispiel staatliche Instabilität oder hohe Kriminalität, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Waffenschmuggel, Armut und ungesicherte Grenzen begünstigen die Aktivitäten krimineller Banden in den Städten wie auch in ländlichen Gebieten. Daher ist es grundsätzlich ratsam, sich unauffällig zu verhalten und keinen Reichtum zur Schau zu stellen. Nachts alleine auf den Straßen unterwegs zu sein, ist in Afrika generell nicht empfehlenswert. Unternehmen sollten sich im Vorfeld von Projekten generell umfassend bezüglich der im Zielland herrschenden politischen und sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen informieren.

Elisabeth Froment-Meurice ist Head of Risk Watch & Analysis Department der auch in Deutschland vertretenen GEOS Group mit Sitz in Frankreich.Weitere Informationen erhalten Sie unter www.geos-germany.com

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