Aircraft Spotter als Testläufer für Terroristen?

21.06.2018 Allgemeines

Gefährliche Vorfälle mit Drohnen häufen sich

Der Kreis der „Aircraft Spotter“ – der Flugzeugspäher –  erfreut sich offensichtlich regen Zulaufs. Im Ehrgeiz, mit immer spektakuläreren Aufnahmen von Flugzeugen für allgemeines Staunen zu sorgen, werden behördliche Auflagen schon mal recht eigenwillig ausgelegt. Nicht nur in den USA. Nur knapp einer Katastrophe entging am 12. Oktober vergangenen Jahres ein Passagierflugzeug, das beim Anflug auf den Flughafen Québec (Kanada) in einer Höhe von 450 Metern mit einer Drohne kollidierte. Der Pilot konnte die Maschine zum Glück sicher landen und die Passagiere blieben unverletzt. Dabei hatte Kanada im März vergangenen Jahres bereits die Vorschriften für Drohnen noch einmal verschärft: Sie durften nunmehr nicht näher als 5,5 Kilometer an Flughäfen heranfliegen und nicht über eine Höhe von 90 Meter aufsteigen.

Kollision in 1.200 Metern Höhe 

Die die Summe der weltweiten Vorfälle mit Drohnen wird hierzulande nur marginal wahrgenommen, da sie in der Presse nur geringen Niederschlag findet. Am 19. Februar 2016 musste ein Airbus A320 in der Nähe des Flughafens Paris-Charles-de-Gaulle ein Ausweichmanöver unternehmen, nachdem er eine große Drohne auf 1.200 Metern Höhe ausgemacht hatte, wie die Zeitung „Le Monde“ berichtet. Die Drohne sei bei diesem Zwischenfall lediglich fünf Meter unterhalb der linken Tragfläche an dem Airbus vorbeigeschossen. Der Vorfall ist unter anderem ein Beweis dafür, in welchen Höhen Drohnen mittlerweile mühelos operieren können. Es zeigt sich auch, wie sich der Gefahrenradius der UAVs um einiges potenziert hat. Die Leistungsfähigkeit in Sachen Reichweite und Tragkraft wird ständig erhöht.

Auch im deutschen Luftraum werden immer mehr Verstöße von Drehflüglern gegen geltende Bestimmungen registriert. Im vergangenen Jahr sind sie laut Deutscher Flugsicherung (DFS) allein 70 Mal in der Nähe von Flughäfen gesichtet worden. Den Spitzenplatz nimmt dabei Deutschlands größter Airport, der Flughafen von Frankfurt, ein. Dort wurden 15-mal Drohnen gesichtet, wie der Zählung der Flugsicherung zu entnehmen ist. Berlin-Tegel registrierte elf solcher Vorfälle, Düsseldorf acht und München sieben. Es scheint einige Joystick-Piloten geradezu zu reizen, an den Airports den Tabubruch zu begehen.

„Gefahren werden unterschätzt“

Der Vizepräsident des Deutschen Wirtschaftsverbandes Klaus Lennartz, forderte deshalb bessere Vorkehrungen zum Schutz des Luftverkehrs gegen Drohnen: „Die Gefahren, die von Drohnen für den Luftverkehr ausgehen werden von vielen Hobby-Drohnenführern unterschätzt. Zudem besteht die Gefahr terroristisch oder kriminell motivierter Angriffe auf Flugzeuge. Die Zahlen belegen, dass Drohnenflugverbote im Bereich von Flughäfen und Flughöhenbegrenzungen für Drohnen keinesfalls ausreichen, um dieses Risiko auszuschließen.“

Fliegende Gaffer

Nicht nur Passagiermaschinen sind im Fokus blindwütiger Neugier und somit gefährdet, auch Unfälle und Ähnliches bekommen die „Gaffer“ aus der Luft zu spüren. Ende Januar dieses Jahres hatte ein unbemanntes Flugsystem in Sankt Georgen im Schwarzwald-Baar-Kreis einen Rettungshubschrauber behindert, der gerade mit einer schwerverletzten Frau nach einem Wohnungsbrand abheben wollte.

Nach wie vor fehlen offensichtlich entsprechende Regelungen, die die Gefahr der UAVs für den zivilen Luftverkehr überschaubar machen. „Nur wenn Drohnen ohne Gefährdung für den gesamten Luftverkehr in den Luftraum integriert werden, wird sich das große Potenzial der zivilen Nutzung von Drohnen ausschöpfen lassen“, sagt Matthias von Randow, Geschäftsführer des Verbands Unbemannte Luftfahrt. Sein Verband beruft sich auf Schätzungen der Deutschen Flugsicherung, die davon ausgeht das bereits in diesem Jahr rund eine Million Drohnen am deutschen Himmel fliegen werden.

Umfrage zeigt allgemeines Misstrauen

Von Randow präsentiert ein Umfrageergebnis, dass eine Grundaussage erkennen lässt: Die die Menschen in Deutschland den Möglichkeiten des Einsatzes von Drohnen aufgeschlossen gegenüberstehen. So zum Beispiel für Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen oder die Inspektion von technischen Anlagen wie Windräder etc. Für zwei Einsatzbereiche zeigen sie allerdings weniger Verständnis. Fast zwei Drittel der Befragten lehnten Drohnen als Spielzeug ebenso ab, wie für die Lieferung von Paketen in der Großstadt. 42 Prozent sahen es als „sehr wahrscheinlich“ an, das kriminelle Taten wie zum Beispiel Schmuggel damit begangen werden. Und als „eher wahrscheinlich“ sahen es noch 36 Prozent an. Insgesamt waren also 78 Prozent der Befragten sich durchaus der Gefahr bewusst, welche auf diesem Sektor von Drohnen-Einsätzen ausgehen können. Ein ähnliches Ergebnis erbrachten die Fragen, ob „gezielte terroristische Anschläge“ zu befürchten sind oder eine „Störung des Betriebes von zivilen Flugzeugen“. Dreiviertel der Befragten zeigte durchweg ein hohes Problembewusstsein. Eigentlich ideale Voraussetzung für die Politik, mit adäquaten gesetzlichen Maßnahmen die Sicherheit in der Luft zu erhöhen.

Richtlinien werden ausgehöhlt

Dem stehen oft wirtschaftliche Erwägungen gegenüber. So erlaubte die ansonsten so strenge FAA vor kurzem dem US-Fernsehsender CNN, mit einer Kameradrohne über Menschen zu fliegen. Mit dieser behördlichen Ausnahmegenehmigung wurden die 2016 eingeführten Regeln für Drohnen durchlöchert. Ignoriert werden dabei offensichtlich Erfahrungen, wie der Absturz einer Drohne beim Nachtslalom in Madonna di Campiglio, die um Haaresbreite den Skifahrer Marcel Hirscher verfehlte oder das Unglück mit einer Drohne in der panischen Präfektur Gifu, die bei einer Werbeveranstaltung des örtlichen Tourismusverbandes in die Zuschauermenge stürzte und sechs Personen verletzte. Beide Male hieß es anschließend, dass von großem Glück gesprochen werden kann, dass der Vorfall noch glimpflich ausging.

Adler-Einsatz wird verworfen

Die Suche nach adäquaten Gegenmitteln gegen die Drohnenflut und die damit verbundene Gefahr läuft nicht zuletzt deshalb weiter. Nicht jeder dabei eingeschlagene Weg erweist sich am Ende als vielversprechend. So wurde Ende vergangenen Jahres gemeldet, dass die niederländische Polizei auf den Einsatz von Adlern zum Einfangen der Fluggeräte verzichtet. Diese hätten sich als nicht effektiv erwiesen. Die Trainingsdauer für die Vögel sei zu lang und selbst danach ein Erfolg nicht garantiert.

Mehr als die Frage, was alles hätte passieren können, sollte die Überlegung im Vordergrund stehen, inwieweit solche Unfälle geradezu als Ideengeber für Kriminelle und Terroristen zu werten sind. Ob Behinderung und Gefährdung von zivilen Luftfahrtzeugen oder der Einsatz über Menschenmengen, unbewusst, leichtsinnig oder aus technischer Überschätzung, werden durch solche Szenarien geradezu Anschlagsmodelle antizipiert.

Weitere Gefahren

Nicht nur Drohnen, mit denen gefährliche Eingriffe in den Flugverkehr vorgenommen werden können, sind mehr oder minder im „Spielzeugladen“ zu erhalten, auch Laserpointer werden zu zweifelhaften Freizeitvergnügen benutzt. Weil er mit einem Laserpointer auf einen Helikopter der Polizei gezielt hat, wurde ein Berliner für 18 Monate ins Gefängnis geschickt. Der 22- Jährige wurde von einem Gericht für schuldig befunden, die dreiköpfige Besatzung eines Polizeihubschraubers geblendet zu haben.

Im Zusammenhang mit einem Fall in Schönaich (Kreis Böblingen), bei dem ein 28-Jähriger mehrfach mit dem gefährlichen Lichtstrahl auf Flugzeuge die sich im Landeanflug auf den Stuttgarter Flughafen befanden, gezielt hatte, resümierte „SWT aktuell“ Anfang dieses Jahres: „Laser-Attacken auf Piloten von Rettungshubschraubern und Kleinflugzeugen, auf Kapitäne von Fahrgastschiffen der Weißen Flotte und Zugführer werden immer häufiger.“

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