ZUKUNFTSMARKT ZIVILE SICHERHEIT

08.08.2016 Allgemeines

Dr. Dirk Grabowski im Gespräch über die vielfältigen Möglichkeiten zur Unterstützung deutscher Sicherheitsunternehmen im Rahmen der industriepolitischen Konzeption „Zukunftsmarkt zivile Sicherheit“ des BMWi.

Herr Dr. Grabowski, im November 2010 startete das Bundeswirtschaftsministerium die industriepolitische Konzeption „Zukunftsmarkt zivile Sicherheit“. Eine Erfolgsgeschichte?

Dr. Dirk Grabowski: Ganz unbescheiden – ja! Aber wir stehen gleichzeitig vor der Herausforderung, uns permanent weiterzuentwickeln.

Welcher Grundgedanke liegt der Konzeption zu Grunde?

Kernziel ist es, die Rahmenbedingungen für die zivile Sicherheitsbranche in Deutschland zu verbessern. Ein ganz wesentliches Element ist dabei die politische Flankierung auf wichtigen Auslandsmärkten. Dazu haben wir die „Exportinitiative zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen“ ins Leben gerufen. Aber auch auf anderen Gebieten wie Normung und Standardisierung sowie Stärkung deutscher Positionen in Brüssel sind wir aktiv. Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass der Sicherheitssektor nicht vergleichbar ist mit beispielsweise der Automobilbranche. In vielen Ländern ist „Sicherheit“ stark geprägt von staatlicher Einflussnahme; dort legt man bei Kooperationen nicht selten Wert auf staatliche Beteiligung. Wir übernehmen eine Art Türöffner-Funktion und flankieren unternehmerische Aktivitäten, angefangen bei kleinen Firmen, die zum Beispiel Anlagen für Zugangskontrollen anbieten, bis zu den Global Playern mit einem umfangreichen Sortiment an unterschiedlichsten Sicherheitsprodukten und Systemlösungen. Während Letztere meist über gute Kontakte in Drittländer verfügen und selbstständig auf die Politik zugehen können, sieht das bei KMUs anders aus.

Mit welcher Unterstützung Ihrerseits kann ein solcher Mittelständler rechnen?

Für ein KMU, das mit seinen Sicherheitsprodukten ins Ausland gehen will oder Partner sucht, bieten wir Informationsveranstaltungen in Deutschland, Markterkundungs- und Geschäftsanbahnungsreisen in ausgewählte Zielländer an. Häufig fehlt den KMUs das Wissen über die jeweiligen Märkte, und wenn sie es haben, dann fehlen die Zugangsmöglichkeiten. Daneben geben wir auch Messeunterstützung und verschaffen Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern.

Klingt einfach, vielleicht ein wenig zu einfach?

Ich merke an Ihrer Frage, dass Sie noch weitergehende Vorstellungen vermuten. Da liegen Sie richtig. Es ist unsere Intention, dass deutsche Unternehmen im Ausland, wo immer es möglich ist, Systemangebote präsentieren. Nehmen wir Indien als Beispiel. Dort soll zur Terrorismusabwehr an der Küste ein sehr komplexes System installiert werden, angefangen von Sonarlagen auf dem Meeresgrund bis zur satellitengestützten Ortung. Auch bei anderen Projekten wird ein solch umfassendes Systemangebot zum Tragen kommen. China etwa ist gerade bestrebt, sein Katastrophen-Risikomanagement zu modernisieren und auszubauen. Dabei sehen wir ebenfalls die Möglichkeit, den Chinesen einen Gesamtansatz mit deutschen Firmen zu präsentieren. Das hindert natürlich kein deutsches Unternehmen daran, zum Beispiel separat Feuerwehrfahrzeuge nach China zu verkaufen.

Schon als Ihre Initiative ins Leben gerufen wurde, war die Rede davon, besonders mit Know-how auf den internationalen Märkten punkten zu können. Die Systemangebote sind offensichtlich die Umsetzung.

Aber nicht allein. Eine weitere Zielgruppe für uns sind Forschungseinrichtungen. Dafür arbeiten wir mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen. Wobei es auch hier gilt, eine Verknüpfung zwischen den Instituten und der Wirtschaft herzustellen, wo immer das möglich ist.

Immer wieder werden Fälle bekannt, dass ein kleiner Mittelständler im Ausland – bleiben wir beim Beispiel Indien – durchaus erfolgversprechend eine Dependance gründet, es jedoch nicht gelingt, diese dauerhaft zu etablieren. Wie können Sie hier unterstützend tätig werden?

Zunächst mit einer politischen und wirklich nachhaltigen Flankierung, die nicht nur Kontakte herstellt, sondern Kontinuität garantiert. Unsere begrenzten Kapazitäten müssen wir leider auf einige Länder konzentrieren. Indien gehört dazu. In diese ausgewählten Länder reisen wir aber mindestens einmal im Jahr. In der Vorbereitung stimmen wir uns mit den Unternehmen ab. Das ist der Zeitpunkt für das KMU, seine Probleme vorzutragen. Wir suchen dann vor Ort, auch gemeinsam mit dem Unternehmen, nach Lösungen.

Was tun, wenn schnelle Hilfe oder Unterstützung geboten ist?

Die deutsche Botschaft vor Ort ist in unser System eingebunden. Wir haben dort – und Indien ist das beste Beispiel – wirklich ausgezeichnete Leute, die sich gerade bei unseren Themen ungemein engagieren. Wenn Schwierigkeiten auftreten, kann sich das Unternehmen mit unserer Hilfe an die Botschaft wenden. So ist die Aussicht auf Erfolg am größten, weil die Vertretung durch den Kontakt mit uns die Problematik am besten einschätzen kann. Andererseits können wir hier in Deutschland auf die Botschaft des jeweiligen Landes zugehen, um entsprechende Kontakte herzustellen.

Das Know-how deutscher Unternehmen, auch der zivilen Sicherheitswirtschaft, ist ein erheblicher Wettbewerbsfaktor. Viele Unternehmen fürchten, dass in Drittländern Anstrengungen unternommen werden, illegal an dieses Knowhow zu gelangen. Manch einer hat sogar schon schlechte Erfahrungen gemacht. Know-how exportieren und zugleich schützen – das klingt wie die Quadratur des Kreises.

In einigen Staaten ist der Raub geistigen Eigentums in der Tat ein Problem. Unternehmen müssen selbst abwägen, ob sie dieses Risiko eingehen wollen. Wir können ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass bei den Hauptproblemländern die Gefahren abnehmen. Die rechtlichen Grundlagen für den Know-how-Schutz sind besser geworden.

Sprechen wir über Länder und Regionen. Kann man mit dem Akronym BRICS Ihr Haupttätigkeitsfeld umschreiben?

Wir sind in vielen, wirtschaftlich vielversprechenden Ländern engagiert und besitzen viele Kontakte dorthin. Wir selbst legen allerdings die Schwerpunkte nicht fest. Es gibt einen „Steuerungskreis“ unserer Exportinitiative, in dem die beteiligten Ministerien, Industrieverbände und sonstige Institutionen wie der Messewirtschaftsverband AUMA oder Germany Trade & Invest (GTAI) zusammengeschlossen sind. In diesem Kreis beraten wir, welche Länder im jeweiligen Jahr Schwerpunkte unserer Exportinitiative sein werden.

Wo kann sich ein interessierter Unternehmer über die Projekte und Maßnahmen der „Exportinitiative zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen“ informieren?

Zum einen unter www.ixpos.de, das offizielle Portal der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Es wird von GTAI betreut. Außerdem stehen wir auch selbst mit Rat und Tat zur Seite. Wir können Kontakte vermitteln, unter anderem zu anderen deutschen Unternehmen, die in dem jeweiligen Land bereits Erfahrungen gesammelt haben.

Dr. Dirk Grabowski leitet das Referat Sicherheitsindustrie im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

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