Fragen bündeln, Lösungen finden und Handlungsempfehlungen geben

18.08.2017 Allgemeines

Expertengespräch mit Peter Krapp (ZVEI) über Aufgaben und aktuelle Herausforderungen innerhalb der Sicherheitstechnik. Qualifizierung, Vernetzung und Digitalisierung sind zentrale Handlungsfelder.

Peter Krapp leitet als Geschäftsführer beim ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. – den Fachverband Sicherheit und die Arbeitsgemeinschaft Errichter und Planer. Der ZVEI selbst zählt zu den größten Industrieverbänden in Deutschland. Er vertritt die unterschiedlichen Interessen einer sehr breit gefächerten und hochinnovativen Industrie, und er gestaltet aktiv die Rahmenbedingungen und gemeinsame Plattformen für das Wachstum der Branche, wie es auf der Internetseite heißt. Im Gespräch mit der Sicherheitspraxis beleuchtet Peter Krapp aktuelle Handlungsfelder innerhalb der Sicherheitstechnik: „Wir bündeln die Fragen, mit denen sich unsere Mitglieder auseinandersetzen, und erarbeiten Lösungen.“

SicherheitsPraxis: Was ist die Aufgabe des Fachverbandes Sicherheit, den Sie als Geschäftsführer leiten?

Peter Krapp: Die zentralen Aufgaben sind: Fragen zu bündeln, die spezifisch sind für die Sicherheitstechnik. Das sind meist Fragen rund um Recht und Normen. Es gilt, Themen und Trends voranzutreiben, die für die Mitglieder relevant sind, und medial aufzubereiten. Daneben betreiben wir diverse Forschungsprojekte und erstellen diverse Materialien zur Marktinformation. Und schließlich schaffen wir den Link für die Mitglieder zu den strategischen Plattform-Themen im ZVEI.

Welche Strategiethemen sind aktuell für den Fachverband Sicherheitstechnik von übergeordneter Bedeutung?

Neben vielfältigen Sach- und Fachthemen sind vor allem Smart Home und Smart Building derzeit wichtige Themen. Im Kern geht es dabei darum, zu vernetzen: Einmal die sicherheitstechnischen Gewerke untereinander. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Vernetzung mit angrenzenden Themen und Gewerken wie der der Energieversorgung, den Hausgeräten bis hin zur Gebäudeautomatisierung. Wir wollen Ansprechpartner und Plattform für die Zukunftsfragen der Branche sein und Strategien entwickeln, um mit diesen komplexen Themen erfolgreich umzugehen. Aktuell tun wir das mit unseren Aktivitäten, was Smart Home und Smart Building betrifft, unter dem Schlüsselbegriff „Semantische Interoperabilität“.

Das klingt erst einmal abstrakt: Wie kann man sich das vorstellen?

Grundlagen für die Interoperabilität im Smart Home sind Internet-of-Things- und Cloud-Technologien. Geräte, Systeme und Services werden in ihren Eigenschaften abstrahiert, kontextbasiert in einem semantischen Modell beschrieben und in der Cloud repräsentiert. Dies ermöglicht vielfältige Services, wobei die Interaktionen sowohl lokal als auch in der Cloud erfolgen. Das Besondere daran: Geräte und Systeme unterschiedlicher Hersteller und Branchen können miteinander vernetzt werden. Dabei hat es der Hersteller eines Produkts oder Systems in der Hand, welche und wie viele Funktionen eines Gerätes er frei gibt. Um das etwas greifbarer zu machen, haben wir einen Demonstrator geschaffen. Am Beispiel verschiedener Wohnszenarien zeigen wir, welchen Nutzen die systemübergreifende Vernetzung für die Bewohner schaffen kann. Der ZVEI-Demonstrator macht so die Technologie anschaulich. Dass wir demonstrieren können, dass Interoperabilität im Smart Home über verschiedene Branchen und Technologien hinweg möglich ist, ist ein großer Schritt.

Sie stehen auch der Arbeitsgemeinschaft Errichter und Planer als Geschäftsführer vor: Was sind hier Ihre Aufgaben?

Hier geht es um die Dienstleister der Branche, die im engen Verbund mit den Herstellern das Wertschöpfungsnetzwerk der Sicherheitstechnik bilden. Mehr als 130 Sicherheitsfacherrichter, Fachplaner und Sachverständige haben sich hier zusammengeschlossen. Die Aufgabenstellungen sind in etwa vergleichbar mit denen im Fachverband. Es geht um Fragestellungen aus bzw. für den Markt.

Qualifizierung und Nachwuchsgewinnung

Die Arge unterstützt ihre Mitglieder und den gesamten Sicherheitsmarkt durch die Erarbeitung von Merkblättern, Broschüren, Arbeitshilfen und Checklisten: Woran arbeiten Sie im Moment?

Ganz aktuell beschäftigen wir uns mit einem Forschungsprojekt zur Alterung von Brandmeldern. In der bestehenden Norm ist zwar geregelt, wann Brandmelder ausgetauscht werden müssen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen, auf deren Grundlage diese Vorgaben beruhen, sind schon etwas älter. Deshalb greifen wir das Thema auf und sind gespannt, zu welchen Erkenntnissen wir gelangen. Die Untersuchung erfolgt anhand der ausgetauschten Melder, die unsere Mitgliedsfirmen zur Verfügung stellen.

Wo sehen Sie aktuell Handlungsfelder und Herausforderungen?

Aktuell sehe ich drei große Themen: Thema1: Qualifizierung und Nachwuchsgewinnung. Es gibt bislang keinen eigenen Ausbildungsberuf des Technikers für Sicherheits- und Gefahrenmeldetechnik nach unserem Verständnis. Deshalb haben wir eine Weiterbildung zum Gefahrenmeldetechniker/in konzipiert. Sie steht im Einklang mit dem Prinzip des lebenslangen Lernens und berücksichtigt den DQR, den Deutschen Qualifizierungs-Rahmen. Das Konzept ist offen, und wir haben diese Weiterbildung entwickelt und zur freien Verfügung gestellt, damit Seminaranbieter im Markt dies aufgreifen. Der Hintergedanke und das langfristige Ziel dieser Weiterbildung ist: Wenn die Weiterbildung etabliert ist, kann sie unter Umständen mit ihrer Praxisorientierung in einen vorhandenen Ausbildungsberuf integriert werden.

Thema 2: Die Vernetzung. Auch in der Arbeitsgemeinschaft stellen wir zunehmend fest, dass die unterschiedlichen Gewerke alle miteinander verwachsen. Bereiche, die früher scharf getrennt waren, haben nun Schnittmengen und Berührungspunkte. Hier sind wir als Verband gefordert, einen überblick zu verschaffen und Verbindungslinien herauszukristallisieren. Das erste Ergebnis ist das Merkblatt: „Vernetzte Sicherheitstechnik (Safety und Security) - Schnittstellenübersicht und Ausblick auf die IP-Vernetzung“. Gegenwärtig laufen zudem die Arbeiten an einer Norm, um das gemeinsame Rollenverständnis aller an einem vernetzten Prozess Beteiligten zu definieren.

Thema 3: Die Digitalisierung. Nehmen wir BIM, Building Information Modeling. Das Modell beschreibt eine Methode der digitalisierten und optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken. Was dies nicht nur für die Sicherheitstechnik, sondern auch für andere Gewerke in der Elektroindustrie bedeutet, beschäftigt uns gerade.

Stichwort Trend zur Digitalisierung: Wie sieht Ihrer Meinung nach, die digitale Zukunft der Sicherheitstechnik aus?

Niemand wird sich diesem Trend verschließen können. Welche konkrete Form die Digitalisierung in unserer Branche und bei den einzelnen Gewerken annehmen wird, müssen wir sehen. Fakt ist: Die Digitalisierung kommt und sie hat einen massiven Einfluss auf Produkte, auf Systeme und auf Dienstleistungen. Wie das konkret aussehen könnte, versuchen wir mit solchen Dingen wie dem ZVEI-Demonstrator zu veranschaulichen.

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