„THE SHOW MUST GO ON“ - EVENTS IN ZEITEN WACHSENDER RISIKEN

19.04.2017 Event-Sicherheit

Es sollten ausgelassene Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag der in jüngster Zeit von Anschlägen heimgesuchten Grand Nation werden. Dann wurde der 14. Juli 2016 zum Alptraum. Als sich auf der Promenade des Anglais am Strand von Nizza die Gäste des Feuerwerks erfreuten, geschah das Unvorstellbare.

Ein Franko-Tunesier raste mit einem Lastwagen in die Menschenmenge. Die schreckliche Bilanz: 84 Tote und zahlreiche Verletzte. Unter den Getöteten auch zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Berlin. Das bittere Ende einer Klassenfahrt. Der Täter, das ergaben die Ermittlungen, ging sehr planmäßig vor. So absurd es klingt, mit Hilfe der Organisatoren der Festveranstaltung. Denn Feierlichkeiten werfen ihre Schatten voraus. Jemand, der etwas im Schilde führt, findet beste Voraussetzungen, möglichst viele Menschen zu treffen (im doppelten Wortsinn).

Wochen oder sogar Monate im Voraus weiß er, wann und wo sich eine größere Menschenmenge zusammenfinden wird. Die Frage, war das nicht zu verhindern, ist ebenso natürlich wie notwendig. Immerhin war Nizza eine derjenigen französischen Städte, in der 2015 die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen worden war. Es wurde offenbar dennoch nicht alles Notwendige veranlasst, was der Gefahrenlage entsprochen hätte. Aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

Die Befürchtungen vieler Bürger auch hierzulande, bei einem Event Opfer eines Anschlages zu werden, treffen Großveranstaltungen von den Alpen bis zur Nordsee zu. Dass die Besucherzahlen auf dem Münchner Oktoberfest eine rückläufige Tendenz aufwiesen, ist zu einem nicht geringen Teil diesem Umstand geschuldet.

Die Sicherheitsmaßnahmen auf der Wiesn, die ab 2016 eine ganz neue Dimension erhielten, scheinen den Menschen nicht in ausreichendem Maße das Gefühl der Geborgenheit zurück zu vermitteln. Hinzu kommt, dass trotz allem die mit den Sicherungsmaßnahmen verbundenen notwendigen Einschränkungen nur bedingt auf Akzeptanz und Einsicht stoßen.

Wo fängt Sicherheit an?

Je größer das Event, umso gefährdeter? Es ist eine gewaltige Herausforderung für Veranstalter und Sicherheitskräfte, für das bunte Treiben am jeweiligen Ort ein Konzept zu entwickeln, das einer (imaginären) Gefahrenlage gerecht wird. Für viele stellt sich offenbar die Frage: Gibt es eine „Sicherheit light“ für Veranstaltungen?

Radio Bremen berichtete über den Freimarkt, das größte und traditionsreichste Volksfest der Hansestadt: „Zwar ist von Kontrollen zum Freimarkt-Gelände oder einem generellen Rucksackverbot wie auf dem Münchner Oktoberfest keine Rede, die Polizei empfiehlt dennoch größere Taschen und Rucksäcke zu Hause zu lassen. Spätestens an den Eingängen zu den Zelten oder zur Halle 7 werden Personen und mitgeführte Taschen einer eingehenden Kontrolle unterzogen.

Taschen, die größer als DIN A4 sind, dürfen jedoch nicht mitgenommen werden. Manchmal hilft es als Seelenbalsam, wenn man sich mit der Weisheit „absolute Sicherheit gibt es nicht“ beruhigen kann - zumindest bis etwas passiert. Zu terroristischen und den „herkömmlichen“ Gefährdungen von Events, deren Liste ohnehin lang ist, kommt in jüngster Zeit eine technische Neuerung hinzu, die Drohne. Der SWR berichtete Anfang 2016, dass laut Bundeskriminalamt (BKA) „mit Terroranschlägen auf Stadien oder Großveranstaltungen zu rechnen“ sei.

Bereits jetzt „würde der IS kleine Drohnen als Bomben einsetzen. Drohnen können eine Nutzlast von mehr als einem Kilogramm tragen und könnten von Terroristen in Menschenmassen gesteuert werden. Mit technischen Gegenmaßnahmen sollen solche Drohnenwaffen ausgeschaltet werden.“ Viel ist über die „technischen Gegenmaßnahmen“ noch nicht bekannt. Vor allem stellt sich die Frage, können damit alle potenziell ins Visier geratenen Veranstaltungen geschützt werden?

Es muss nicht immer Terror sein, den es zu fürchten gilt. Allein das mögliche Verhalten von Menschenmassen in Paniksituationen ist ein Kriterium, das es von Fachleuten zu beurteilen gilt, wenn Pläne zu einer Großveranstaltung geschmiedet werden. Auch wenn uns die schlimmsten Zahlen aus fernen Ländern erreichen, wie die über 700 Getöteten bei einer Massenpanik in 2015 am mohammedanischen Wallfahrtsort Mekka.

Die 21 Toten während der Loveparade 2010 in Duisburg sind eine traurige Warnung, dass man auch bei uns damit rechnen muss, dass einem Veranstalter und den Sicherheitsverantwortlichen die Lage außer Kontrolle gerät. Den privaten Sicherheitsdienstleistern steht eine Herkules-Aufgabe ins Haus. Sie müssen solche Ereignisse analysieren, die Maßnahmen umsetzen, die zum Schutz der Besucher notwendig sind und dürfen gleichzeitig niemanden den „Spaß an der Freude“ vergällen. Denn, „the Show must go on“, davon leben auch sie.

Autor: Peter Niggl, Chefredakteur SECURITYinsight

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