KEINE SPENDENGALA OHNE RISIKO

09.08.2016 Event-Sicherheit

Auch Unternehmen können Veranstalter sein – sei es nun die Jahreshauptversammlung, ein Sommerfest oder eine Spendengala. Die Sicherheitsauflagen sind die gleichen wie bei Popkonzert, städtischem Marathonlauf oder Kirmes. Wer sich persönlich vor Haftungsfolgen bei Schäden bewahren will, muss in der Planung und Durchführung ebenso konsequent und gewissenhaft vorsorgen wie im täglichen Betriebsablauf.

Haftung

Unabhängig von Art, Ort und Größe der Veranstaltung setzt sich das verantwortliche Unternehmen bei unzureichend sicher geplanter und durchgeführter Veranstaltung direkten finanziellen Risiken – etwa Bußgelder und Schadenersatzansprüche – aus. Und das stets dann, wenn bestehende Vorgaben, die in vielen Unternehmen oft gar nicht bekannt sind, nicht adäquat umgesetzt werden und so ein Schadensfall eintritt. Derzeit umfassen diese Vorgaben um die 200 Gesetze, Verordnungen, Regelwerke und Normen, die ganz oder teilweise zu beachten sind. Sie unterliegen zudem vielen Abweichungen und laufenden Änderungen, was ihre korrekte Anwendung zusätzlich erschwert.

Finanziell von wesentlich größerer Tragweite sind – insbesondere bei Sach- oder Personenschäden – weitere, nicht auf den ersten Blick zu beziffernde Risiken. So wird bei einem Unglück der angestrebte Veranstaltungseffekt, das Unternehmensimage positiv zu befördern, ins Gegenteil verkehrt. Der Markenwert und der Ruf des Unternehmens bleiben meist beschädigt.

Zu den genannten Risiken kommt noch das der persönlichen Haftung der Hauptverantwortlichen. Kommt es auf Grund von Sicherheitsmängeln zu Personenschäden, können die Verantwortlichen schnell unmittelbar persönlich haften. Hiervor schützt weder die Haftungsreduzierung einer Gesellschaftsform noch eine Versicherung. Zu den Verantwortlichen zählen dabei neben der Unternehmensführung gegebenenfalls die Sicherheits- Verantwortlichen ebenso wie der Veranstaltungsleiter und weitere interne Verantwortliche als Erfüllungsgehilfen der Unternehmensführung.

Veranstaltungstypen und Haftungskonsequenzen

Je nach Veranstaltungsort und -art ergeben sich hinsichtlich des Einflusses sowohl auf Planung als auch Durchführung im Sinne der Sicherheit unterschiedliche Haftungssituationen für ein Unternehmen. Führt es selbst eine Veranstaltung auf dem eigenen Betriebsgelände durch, ist es im Sinne der Musterversammlungsstättenverordnung (MVStättVO) gleichzeitig Betreiber und Veranstalter. Damit liegt die gesamte Verantwortung für die Sicherheit in Planung und Umsetzung allein beim veranstaltenden Unternehmen.

Führt ein Unternehmen seine betriebliche Veranstaltung jenseits der eigenen Betriebsflächen durch, wird es zum Veranstalter, während die Verantwortlichen der Veranstaltungsörtlichkeit in der Rolle des Betreibers sind. Damit hat das veranstaltende Unternehmen meist wenig direkten Einfluss auf die grundlegenden Sicherheitsbedingungen, während es gleichzeitig aber – wie beschrieben – die Umsetzung verantwortet und im Schadensfall einen Großteil des Risikos trägt.

Einen Sonderfall stellen Fremdveranstaltungen im eigenen Unternehmen dar. Dabei ist das Unternehmen zwar Betreiber, kann aber nur bedingt die Sicherheit der Veranstaltung in der Durchführung selbst gewährleisten. Hier sind zur Kompensation eindeutige vertragliche Vereinbarung und eine reale Überwachung der Veranstaltungssicherheit gegenüber dem externen Veranstalter und allen weiteren Beteiligten erforderlich.

Beim Sponsoring auf Drittveranstaltungen schließlich ist das Sponsoren-Unternehmen weder Betreiber noch Veranstalter. Damit hat es praktisch keinerlei direkten Einfluss auf die Sicherheit der Veranstaltung. Im Schadensfall besteht jedoch auch hier ein hohes indirektes finanzielles Risiko – nämlich wenn Name oder Logo des Sponsors in der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Schaden verbunden werden.

Schutzziele, Rechtsgrundlagen und Maßnahmen

Die Sicherheit einer Veranstaltung liegt nicht nur im Eigeninteresse des durchführenden Unternehmens, sondern Besucher und Mitarbeiter haben natürlich geradezu ein Recht darauf. Die allgemeinen betrieblichen Schutzziele ergeben sich aus vielfältigen gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen.

Abhängig von der Art der Veranstaltung kommen weitere Schutzziele hinzu. So stellt die gleichzeitige Anwesenheit vieler Menschen eine besondere Gefährdung durch Überfüllung und durch die Eigendynamik von Menschenmassen dar. Zudem ist bei öffentlichen Veranstaltungen die Mehrzahl der Besucher weder unterwiesen noch ortskundig. Auch eine kritische Personendichte an Engstellen sowie durch die Veranstaltung zusätzlich eingebrachte Gefährdungen zählen dazu.

Durch ganzheitliche Sicherheitskonzepte können vielseitige Maßnahmen der Besucher- und Veranstaltungssicherheit wie eine Sicherheitskoordination vor Ort, aktives „Crowd Management“, Videoüberwachung kritischer Bereiche, temporäre Sicherheitstechnik, Personenzählungen usw. dazu beitragen, die Risiken weitgehend zu reduzieren.

Die neue MVStättVO fordert unter anderem Räumungskonzepte für Veranstaltungen. Nachdem Räumungsübungen – wie im ArbSchG und der ArbStV vorgeschrieben – für eine Veranstaltung unter realistischen Bedingungen nicht durchgeführt werden können, lässt sich durch wissenschaftlich fundierte Personenstromsimulationen der Nachweis der Tragfähigkeit einer Räumungskonzeption erbringen.

Fazit

Die Komplexität einer ganzheitlichen Sicherheitskonzeption für Veranstaltungen ergibt sich einerseits aus den vielfältigen rechtlichen Anforderungen. Andererseits muss jede Veranstaltung individuell betrachtet werden. Mit der umfassenden Planung der Sicherheit muss daher rechtzeitig begonnen werden.

Um das Haftungsrisiko für ein Unternehmen – und damit auch das finanzielle Risiko – so weit wie möglich zu reduzieren, ist für die richtige Einschätzung der Risiken und die Ableitung tragfähiger und angemessener Maßnahmen theoretische und praktische Fachkompetenz absolute Voraussetzung.

Da es keine festgelegte Mindestqualifikation für Anbieter von Sicherheitskonzepten gibt, sollte bei der Auswahl entsprechender Dienstleister für die Erstellung und Umsetzung der Sicherheitsplanung auf einschlägige Erfahrungen und nachweisliche Referenzen geachtet werden.

Autor Roland G. Meier ist Erster Vorsitzender des Bundesverbandes Veranstaltungssicherheit www.bvvs.org und Geschäftsführer der VDS GmbH www.vds-veranstaltung.de. Zudem ist er Sicherheitsfachperson für Versammlungsstätten (TÜV Saarland Gruppe) und Sachverständiger für Veranstaltungssicherheit.

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