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KI als Katalysator für Cybercrime: Unternehmen müssen Sicherheit ganzheitlich neu denken

08.06.2026

Künstliche Intelligenz verschärft Cyberbedrohungen und erhöht den Handlungsdruck für Unternehmen. Experten zeigen, warum hybride Sicherheit, Resilienz und NIS2 jetzt Chefsache sind.

KI als Katalysator für Cybercrime: Unternehmen müssen Sicherheit ganzheitlich neu denken

Auf der Sicherheitskonferenz „STATE OF SECURITY“ diskutierten Experten die Auswirkungen von KI auf Cybercrime, Unternehmensschutz, Compliance und hybride Sicherheitsstrategien.

Hybride Bedrohungen durch physische und digitale Angriffe set­zen Deutschland immer stärker unter Druck. Dabei stehen Cyberattacken an der Spitze der Risikoskala – und werden durch die kriminelle Nutzung Künst­licher Intelligenz (KI) massiv forciert. Denn KI verschafft neue auto­matisierte Möglichkeiten und fun­giert so als Katalysator für Cybercrime, wie u. a. der drastische Anstieg von Phishing- und Ransomware-Offensiven für Daten­diebstahl und Erpressung zeigt. Welche Folgen sich für den Unter­neh­mensschutz ergeben, diskutierten rund 170 Expertinnen und Experten am 03. Juni auf der Sicher­heits­konferenz STATE OF SECURITY von Kötter Security und German Business Protection in Berlin.

„KI verändert Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheitsarchitekturen in rasanter Geschwindigkeit. Sie eröffnet enorme Chancen – zugleich entstehen neue Risiken, neue Abhängigkeiten und neue Ver­antwortlichkeiten“, betonte Friedrich P. Kötter, Verwaltungsrat der Kötter Security Gruppe, bei der Veranstaltung im Allianz Forum. „Wenn der Schutz unserer Unternehmen nicht schon länger eine strategische Führungsaufgabe war, ist er es spätestens jetzt – im Zeitalter Künstlicher Intelligenz.“

Grund: Unternehmen sehen sich heute nicht mehr nur klassischen IT-Angriffen ausgesetzt. Angriffe treffen zunehmend vernetzte Infrastrukturen, hybride Arbeitswelten, industrielle Steuerungs­systeme und komplexe Lieferketten. Gleichzeitig verschwim­men die Grenzen zwischen physischer und digi­taler Kriminalität immer stärker. „Unterneh­mens­schutz bedeutet heute, Risiken ganzheitlich zu betrachten. Es geht um Resilienz, um Prävention und um die Fähigkeit, auf komplexe Bedrohungs­lagen vorbereitet zu sein“, erklärte Friedrich P. Kötter. Der Schutz von Unternehmen erfordere des­halb eine proaktive Strategie, die neben der Infrastruktur auch technische Systeme, Datensicherheit, rechtliche Compliance, klare Verantwort­lichkeiten und geziel­te Mitarbeiter­schu­lun­gen umfasse.

Er appellierte daher an die Verantwortung jedes Unternehmenslenkers: „Sicherheit darf nicht erst beginnen, wenn ein Vorfall eingetreten ist. Sie muss integraler Bestandteil der Unternehmens­stra­tegie sein. Wer Gebäude schützt, muss auch Daten schützen. Wer IT-Syste­me absichert, muss ebenso physische Zugänge, Prozesse und Mitarbeitende in die Sicherheits­stra­tegie integrieren.“ Dabei biete Künstliche Intelligenz viel­fältige Chancen, z.B. in Form KI-gestützter Security-Systeme, die Anomalien früher erkennen, Risiken priorisieren und Reaktionszeiten deutlich verkürzen.

Gleichzeitig verwies der Familienunternehmer darauf, dass Unternehmensschutz und speziell Cybersecurity noch aus einem zweiten Grund zwingend „Chefsache“ sein müssen: So machen neue regulatorische Vorgaben wie speziell die seit Ende 2025 auch in Deutschland geltende EU-NIS2-Richtlinie (Network and Information Security Directive) die Steuerung und Kontrolle von Sicherheit und Risikomanagement endgültig zur ver­pflich­tenden Managementaufgabe – inklusive persönlichen Haftungsrisiken für Geschäfts­füh­rungen bei Verstößen gegen die Sorg­faltspflicht.    

Hieran knüpften die weiteren Vorträge und Diskussionen an. Sie richteten den Blick u.a. darauf, welche Möglichkeiten KI zur Effizienzsteigerung, Prozessauto­ma­tisierung und Risikoerkennung er­öffnet – und welche Verantwortung hieraus resultiert. „Es entstehen z. B. neue Angriffsflächen und Sicherheitsrisiken, wenn KI-Anwendungen unter hohem Zeitdruck eingeführt werden, ohne dass Schutzmechanismen und betriebliche Resilienzkonzepte von Beginn an ausreichend berücksichtigt werden“, warnte etwa Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor am cyberintelligence institute. „Unternehmen müssen in unsicheren Zeiten deshalb digitale Innovation und hybride Sicherheit gemeinsam denken.“ 

Daher rücken regulatorische Anforderungen wie der EU AI Act oder die NIS2-Richtlinie zunehmend in den Mittelpunkt. „Unternehmen ste­hen vor der Herausforderung neue Technologien nicht nur effizient einzusetzen, sondern zugleich Transparenz-, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen frühzeitig in beste­hende Prozesse zu integrieren“, sagte Dr. Carolin Schilling-Schulz, Rechtsanwältin und Partnerin bei Arnecke Sibeth Dabelstein. „Entscheidend wird sein, regulatorische Vorgaben als strategischen Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung zu verstehen.“

Zu den Referenten und Diskussionsteilnehmern gehörten außerdem Prof. Dr. Key Pousttchi (Gründer / Institut für Digitale Transformation GmbH), Marvin Schulz (Mitglied des Bundestages / Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung), Ralf Schneider (Head of AI Security & Security Consulting / Deutsche Telekom Security GmbH), Franziska Weindauer (Geschäftsführerin 
TÜV AI.Lab, ein Joint Venture der TÜV-Unternehmen Süd, Rheinland, Nord, Hessen und Thüringen) sowie Matt Kish (Head of Situation & Intelligence Analysis / Head of Data & AI Hub  / Siemens AG Corporate Security). Die Moderation übernahm Christine Kipke.

www.koetter.de

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